Verfasst von gses.
Verfasst von gses.
Der Afrika-Cup 2010 und ein legendärer Auftakt
Die Vorfreude auf die Titelkämpfe wurde durch den Anschlag auf die togolesische Nationalmannschaft beträchtlich getrübt. Die “Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda (kurz: FLEC)”, eine Separatistenbewegung, die für die Unabhängigkeit der angolanischen Exklave Cabinda kämpft, griff den Bus der Westafrikaner kurz nach der kongolesischen Grenze an (die Frage, warum eine Fußball-Nationalmannschaft in einem kriselndem Gebiet mit dem Bus unterwegs ist, muss gestellt werden) und tötete dabei mehrere Delegationsmitglieder. Die Rebellen haben für den Verlauf des Afrika-Cups weitere Anschläge angekündigt.
Das Turnier findet trotzdem statt. Die angolanische Regierung dürfte einen Teufel tun und sich den Rebellen beugen. Dass hierbei die Sicherheit von Zuschauern und Spielern auf dem Spiel steht, wird getrost verdrängt. Damit ein kontinentales Turnier ein frühzeitiges Ende findet, muss es offenbar mehr oder wichtigere Tote als ein paar Funktionäre geben.
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Sportlich gesehen, ist und bleibt der Cup dennoch ein Genuss.
Es ist die spürbare Eruption, die durch ein ganzes Land geht, wenn die Nationalmannschaft ein Tor erzielt.
Es ist die Unberechenbarkeit, wenn ein Spiel, das 75 Minuten vor Langeweile strotzt, durch einen plötzlichen und unbeherrschten Tritt, den der Außenverteidiger in der Jet Li-Nachwuchsakademie erlernt hat, völlig aus den Fugen gerät. Die taktischen Fesseln fallen komplett und der zumeist europäische Trainer gibt am Seitenrand die Hoffnung auf, dass sich seine Schützlinge an die in mühsamer Akribie eingeübte Disziplin erinnern.
Es ist die körperliche Kraft und der unbedingte Wille, die eine teilweise mangelhafte Technik überdecken, die nicht geordnet konservativ (=europäisch), sondern intuitiv erlernt erscheint, welche die Spiele zu einem mitreißendem sportlichen Ereignis werden lassen.
Im WM-Jahr stellt sich auch die obligatorische Frage, ob die Zeit nicht langsam reif für einen afrikanischen Weltmeister ist. Sie ist es prinzipiell schon längst, doch solange der “Africa Cup of Nations” im gleichen Jahr wie die Weltmeisterschaft stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit dafür ziemlich gering. Beispiel Didier Drogba: Dieser muss nach einem eventuell langen und kräftezehrendem Turnier zurück zum FC Chelsea und dort mit aller Macht um Meisterschaft und Champions League kämpfen. Es ist nahezu unmöglich, dass sich Drogba bei der WM in Südafrika in guter Form befindet. Ähnlich geht es vielen anderen in europäischen Spitzenklubs beschäftigten Afrikanern.
Ein weiterer Grund für das regelmäßige Scheitern bei WM-Turnieren, ist die entstehende Unruhe, wenn ein Verband nach/während dem/des Afrika Cups seinen Übungsleiter feuert, weil das Ziel “Titel” (den grundsätzlichen jeder Verband als realistisch betrachtet) verfehlt wurde. Die fehlende Beständigkeit nimmt den Teams somit zusätzlich ein Stück an Selbstvertrauen und Qualität.
Die Lösung liegt auf der Hand: Die afrikanische Meisterschaft muss in ungeraden Jahren ausgetragen werden, um den Teams die Möglichkeit zu geben, bei WM-Turnieren einigermaßen fit und ausgeruht an den Start zu gehen. Warum dies noch nicht reformiert wurde, ist nur ein Beispiel für die chaotischen Verbands- und Regierungsstrukturen, welche für einen Großteil der afrikanischen Probleme verantwortlich sind, auch im Profisport.
Unfassbarer Auftakt
Das Eröffnungsspiel Angola – Mali wird nicht in die Akte “standesgemäß” einsortiert werden. Während man bei den meisten Titelkämpfen schon froh über ein einziges Tor im ersten Spiel ist, mühten sich die beiden nach Kräften das 2006er WM-Startmatch zwischen Deutschland und Costa Rica zu toppen und letztlich ist es ihnen auch gelungen. Mit einem Ende das David Lynch nicht besser hätte gestalten können, schafften die Männer aus Mali – nachdem sie in der 74. Minute das 0:4 kassiert hatten – das Unfassliche:
Zwei Tore in der Nachspielzeit und mit dem 4:4 in letzter Sekunde das Erreichen eines sensationellen Punktgewinns. Und das obwohl Schiedsrichter Essam Abd El Fatah aus Ägypten den Gastgebern jeden Wunsch von den Lippen abzulesen schien.
Die Torschützen:
1 : 0 Flávio 36. / Kopfball
2 : 0 Flávio 42. / Kopfball
3 : 0 Gilberto 67. / Elfmeter
4 : 0 Manucho 74. / Elfmeter
4 : 1 Seydou Keita 79. / Linksschuss
4 : 2 Frederic Kanouté 88. / Kopfball
4 : 3 Seydou Keita 90. / Rechtsschuss
4 : 4 Mustapha Yatabare 90. / Linksschuss
Ich meine, dass in Afrika noch nicht alles Gold ist was glänzt, ist denke Ich jedem bewusst. Doch ich denke man kann schon einen sehr positive Trend sehen in den letzten Jahren. Die Arbeit der Nationalteams ist zunehmend an den “Europäischen-Standart” angenähert worden. Ausserdem sehen wir immer mehr Afrikanische Spieler die sich auch International in Europa durchsetzen und Spitzenpositionen besetzen.
Aber villeicht ist das alles gar nicht nötig!
Ist es nicht diese unbeschwertheit der afrikanischen Teams, die uns noch so begeistert?
Show-Einlagen oder Zeitspiel ist dort nur Mangelware. Wir sehen hingegen hochentwickelte Technik,Leidenschaft und Siegeswillen, den ich bei vielen europäischen Nationalteams sowie Vereinsmannschaften vermisse.
Villeicht sind gerade die Afrikaner Fußball-Puristen.
Für europäische Nationalteams währe es eine Schande, einen damaligen 3. Ligisten im Alter von 28 Jahren in die Stammelf zu stellen neben Stars wie z.B. Michael Essien,Steven Appiah oder Sulei Ali Muntari. Junior Agogo (Damals Nottingham Forrest) spielte trotzdem und er spiele zufriedenstellend.
Klingt fast wie eine Traumkarriere wie in Hollywood oder?
In Afrika nichts besonderes!
Ist es deswegen nun gleich verwerflich? Ich denke nicht!
Selbst eine Chance auf einen WM-Titel verringert es für mich nichteinmal. Denn solche Spieler würde 300% mehr Einsatz zeigen als die Pirlos,Ronaldos,Villas,Riberys und Messis dieser Welt.
Ein einmaliges Erlebnis währe dies für den Spieler und auch für uns Zauschauer, nach Jahren mal wieder einen Spieler zu sehen, der Spielt weil er Spielen will und nicht weil er eine Torprämie im Vertrag hat.
Ich freue mich auch auf die WM in Südafrika.
Warum sollte das kein Fest werden?
Selbstverständlich ist Afrika immernoch von Unruhen geplagt, doch wie soll man einem Kontinent denn besser helfen, als indem man ihm Vertrauen schenkt?
Die afrikanischen Fans haben sich jeher für besonders emotionell und lautstark bewiesen. Warscheinlich viel emotionaler als viele andere WM-Teilnehmer.
So wird es ein spannendes Fußballjahr für Afrika werden.
Doch auch für uns als Fans, kann es doch kaum etwas schöneres geben
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Afrika ist und bleibt eben doch noch ein Entwicklungsland