Hatte man nach dem aktuellsten Aufstieg des 1. FC Nürnberg die große Hoffnung, dass nun Kontinuität, Ruhe, Gelassenheit und Weitblick einkehren würden, so ist man nun eines Besseren belehrt. Ein Großteil schreit nach der Ablösung von Trainer Michael Oenning, Manager Martin Bader und Präsident Franz Schäfer (erst seit ein paar Wochen im Amt und damit für einige Clubfans bestimmt der Hauptschuldige).

Habt Ihr denn alle nichts gelernt?

Die seinerzeit schwerste Entlassung (die von Pokalsiegertrainer Hans Meyer) wurde damals von den meisten Fans mitgetragen. Auch ich habe das getan. Mir war es unbegreiflich wie eine Mannschaft mit einem potenziellen Europa-League-Kader (mit Spielern wie Koller, Misimovic, Galasek, Saenko, Pinola, Wolf etc.) so schwach spielen konnte. Dass danach die größte Fehlbesetzung auf der Nürnberger Trainerbank aller Zeiten – Thomas von Heesen – folgen würde, war nicht zu ahnen. Nach dessen, zum Glück, schneller Ablösung war dank dem ruhigen, intelligenten Oenning und einer sehr jungen Mannschaft der unfassliche Abstieg bereits vergessen.

Doch nun die Verblendung: Der Club spielte eine erfolgreiche, ergebnisorientierte Zweitligarückrunde, ohne dabei zu glänzen. Echter Zweitligafußball eben. Lediglich in den Relegationsspielen gegen völlig überforderte Cottbuser begeisterte man. Aber selbst dies schien zu Beginn anders zu laufen: Im Hinspiel dominierte zunächst Energie und erst ein lächerlicher Schuss von Boakye, der abgefälscht wurde, brachte den Club auf die Siegerstraße. Und im Rückspiel musste man in den ersten fünf Minuten Angst haben, dass Cottbus 3:0 in Führung geht. Das waren bereits die ersten Anzeichen, dass die Mannschaft nicht so gut ist wie die Fans glauben wollten, und dass der Aufstieg mindestens ein Jahr zu früh kommt.

Und nun steht man mit einem (!) Punkt hinter einem Nichtabstiegsplatz. Liebe Clubfans, ich frage Euch: Ist das so ungewöhnlich?

Wer die Spiele gegen Bremen und Wolfsburg gesehen hat, der weiß zu welchen Leistungen diese Mannschaft fähig ist. (Und ganz nebenbei zeigt, wie sich die Fans über diese Mannschaft freuen können.) Doch aufgrund mangelnder Erfahrung auf und neben dem Platz kann dies noch nicht regelmäßig abgerufen werden. Bei jungen Teams ist es zudem auch nicht verwunderlich, dass Einbrüche wie in Dortmund oder gegen Hamburg am gestrigen Samstag vorkommen.

Deshalb: Lasst Oenning und Co. Zeit! Oder wollt ihr wirklich mit Peter Neururer, Lothar Matthäus oder Klaus Augenthaler in die zweite Liga?

Der Club steht (mal wieder) am Scheideweg. Es ist außerdem die erste Bewährungsprobe ohne Michael A. Roth und es steht zu befürchten, dass die Vereinsführung sich dem Druck der pöbelnden Masse beugt (siehe Stuttgart) und den 1. FC Nürnberg in eine äußerst ungewisse Zukunft steuert.

Pro Oenning!

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