Die nächste Runde im DfB-Pokal steht an. Der VfL Osnabrück darf sich nach dem sensationellen Pokalfight gegen den HSV nun mit Borussia Dortmund messen und nicht wenige Fußballfans in Deutschland werden den Niedersachsen die Daumen drücken. Zu diesem Anlass sprachen wir exklusiv mit Karsten Baumann, dem Trainer der Überraschungsmannschaft aus Osnabrück:

Schmuedee: Ich habe selten ein so spannendes und intensives Pokalspiel wie das vom VfL Osnabrück gegen den Hamburger SV gesehen. Doch die sensationelle Energieleistung deiner Mannschaft wäre um ein Haar nicht belohnt worden. Hast du nach den Gegentoren in der Nachspielzeit und in der Verlängerung noch an ein Weiterkommen geglaubt?

Karsten Baumann: Auch wenn ich versucht habe nach Außen Zuversicht auszustrahlen, sah es nach Innen anders aus. Nach dem Ausgleich in der letzten Minute habe ich überlegt, wie wir uns ins Elfmeterschießen retten können und nach dem Rückstand in der Verlängerung habe ich wirklich nicht mehr an ein Weiterkommen geglaubt. Dafür war der HSV in dieser Phase zu überlegen und unsere Spieler mausetot.

Ganz ehrlich, hast du geahnt, dass es eng wird? Hast du Elfmeter trainieren lassen?

Natürlich glaubt man immer an seine Chance so ein Spiel zu gewinnen. Ich stand ja selber oft genug auf der anderen Seite und war in Pokalspielen in der Favoritenrolle, deshalb weiß ich, wie schnell so ein Spiel verloren werden kann. Wir haben allerdings keine Elfmeter trainiert, da man die nervliche Belastung in so einer Situation nicht simulieren kann. Und die Nerven spielen beim Elfmeterschießen die Hauptrolle.

Im Achtelfinale sind die Erwartungen in Osnabrück natürlich jetzt groß. Wie schätzt du die Chancen gegen deinen Ex-Klub Dortmund ein? Ist für den VfL noch mehr drin? Vielleicht sogar der große Traum Berlin?

Berlin ist immer eine Reise wert. Der BVB wird uns sicher nicht unterschätzen, sie sind ja jetzt vorgewarnt. Aber jedes Spiel muss erstmal gespielt werden…

Der Traditionsverein Osnabrück ist ja letzte Saison erst abgestiegen. Was sind die Zielsetzungen für die Liga? Der direkte Wiederaufstieg?

Unser Ziel für diese Saison ist es, eine gute Rolle in der Liga zu spielen und in der Tabelle im oberen Drittel platziert zu sein. Sollten wir gegen Ende der Serie gut stehen, werden wir natürlich alles versuchen, um hoch zu gehen.

Deine Trainerkarriere begann mit einer fünfmonatigen Trainerausbildung, die du auch gleich als Jahrgangsbester abgeschlossen hast. Braucht man eine solche Ausbildung überhaupt oder könnte man á la Beckenbauer eine Mannschaft genauso gut ohne Trainerschein führen?

Es ist sicherlich von Vorteil, wenn man selbst Bundesliga gespielt hat. Man weiß wie die Spieler ticken und hat die Mechanismen des Geschäfts am eigenen Leib gespürt. Aber die Trainerausbildung ist durch nichts zu ersetzen. Man bekommt eine andere Sichtweise auf das Spiel, die als Trainer unbedingt wichtig ist. Außerdem sind die Inhalte der Trainingslehre unersetzlich.

Mit Erfurt hast du bei deinem Trainerdebüt direkt einen namhaften Club übernehmen können. Zunächst hast du jedoch als Trainer für arbeitslose Fußballprofis gearbeitet. Empfandest du diese Station damals eher als Hürde oder als Chance einen ersten Schritt in die Trainerlaufbahn zu machen?

Die Zeit bei der VDV als Trainer der arbeitslosen Profis war eine einmalige Gelegenheit in aller Ruhe und ohne Druck Dinge auszuprobieren, die ich später im „richtigen“ Trainerjob machen wollte. Man lernt die Ansprache vor einer Gruppe gestandener Profis und kann sehen, ob die Trainingsinhalte funktionieren und den nötigen Effekt haben.

Die VDV ist die Spielergewerkschaft für die höchsten deutschen Spielklassen im deutschen Herrenfußball. Die Ziele sind u.a.:

a) Mitbestimmung bei der Gestaltung der Gehalts- und übrigen Arbeitsbedingungen …
b) Vertretung der Mitglieder gegenüber der FIFA, den von der FIFA anerkannten Konföderationen sowie den der FIFA angeschlossenen Nationalverbänden
c) Einwirkung auf die Gesetzgebung, insbesondere in den Bereichen des Arbeits- und Sozialrechts

weiterführend: http://www.spielergewerkschaft.de/

Die Wege von dir und Erfurt trennten sich trotz eines souveränen Mittelfeldplatzes vorzeitig. Waren die Erwartungen in Erfurt einfach zu hoch?

Wir wollten uns in der Winterpause verstärken und haben aber mit Albert Bunjaku unseren besten Angreifer nach Nürnberg verloren. Von da an waren die Ziele nicht mehr zu erreichen.

Du bist als Fußballprofi und Trainer schon viel rumgekommen. Welche Zeit hat dich persönlich am positivsten geprägt und woran denkst du mit Grauen zurück?

Wenn man zehn Jahre in Köln beim 1. FC gespielt hat, dann hinterlässt das einen prägenden Eindruck. Es waren die ersten und schönsten Profijahre. Die negativen Dinge behalte ich für mich.

Du hast doch sicher auch noch Kontakte zu deinen ehemaligen Vereinen. Würde dich ein Engagement beim FC oder BVB reizen oder sollte es dann doch lieber der FCB sein?

Klar ist es mein Ziel irgendwann in der Bundesliga zu arbeiten, welcher Verein es dann sein wird, wird man sehen. Zum 1. FC würde ich aber sogar zu Fuß kommen…

Vielleicht zum Schluss noch ein Meistertipp für die Bundesliga?

Ich glaube, die Hamburger machen es diese Saison. Sie müssen ja nicht nochmal gegen uns spielen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Steckbrief:
Karsten Baumann
geboren: 14. Oktober 1969 in Oldenburg (Niedersachsen)
Position als Spieler: Abwehr
Erfolge:
Deutscher Vizemeister 1989
Deutscher Pokalfinalist 1991

Stationen als Spieler:
Jugend – TuS Eversten
bis – 1988 VfB Oldenburg (Oberliga Nord)
1988–1998 1. FC Köln (Bundesliga)
1998–2000 Borussia Dortmund (Bundesliga)
2000–2001 Rot-Weiß Oberhausen (2. Bundesliga)
2001–2003 SCB Viktoria Köln (Oberliga Nordrhein)
2003–2005 Wuppertaler SV (Regionalliga Nord)
2005–2006 SG Wattenscheid 09 (Regionalliga Nord)

Stationen als Trainer:
2008-2009 RW Erfurt (Regionalliga/3.Liga)
2009-jetzt VfL Osnabrück (3.Liga)

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