Verfasst von gses.
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Unangemessene Reaktionen
1:1 gegen Finnland. Unter dem Umstand, dass die deutsche Nationalmannschaft nach dem 100% Spiel in Moskau bereits sicher qualifiziert war, ein erträgliches Ergebnis. Doch was muss man am Tag danach in den deutschen Medien lesen und hören? “Zumutung”, “Blamage”, “Peinlich”.
Bild geht erstaunlich sachte an die Sache heran: “Das finnen wir nicht gut”. Die FAZ drückt sich da schon deutlicher aus: “Das Spiel war weitestgehend eine Zumutung”
Der Spiegel spricht von einem “peinlichen Unentschieden” und auf B5 musste man folgende Frage der Studioredakteurin an Außenreporter Alexander Bleick ertragen:”Ist die Mannschaft wirklich so schlecht?”
Mal ne ernsthafte Frage: Wo leben wir eigentlich?
Die Mannschaft qualifiziert sich wider Erwarten sehr souverän für die WM 2010. Mit zwei Siegen gegen Russland, dem europäischen Emporkömmling schlechthin, jene immerhin Halbfinalteilnehmer bei der EM und eine der spielstärksten Mannschaften des Globus. Nach der übertriebenen Mystifizierung im Anschluss an den Sieg in Moskau (SZ: “Im Geiste der Ahnen”) wird nun zum Finnland Spiel die Keule rausgeholt.
Wen interessiert schon ein völlig bedeutungloses Freundschaftsspiel gegen Finnland? Gegen jene gibt es nichtmal den Ansatz einer Rivalität, um diesen unbedeutenden Kick wenigstens etwas kriegerisch ausmalen zu können. Auch die Mannschaft kann ich verstehen. Nach dem sie in den Wochen vor dem Russland Spiel unter enormen Druck stand, fiel die innere Spannung nach dem Sieg ab und sie hatte es schwer, Interesse und Motivation für die abschließende Partie aufzubauen.
Die Pfiffe der Zuschauer kann ich nicht nachvollziehen. Wer zum letzten Spiel einer Gruppenphase fährt, muss damit rechnen dass es um gar nix mehr geht. Der Glaube, die Spieler würden sich für die Fans zerreißen, ist mehr als naiv.
Abschließend wird der Eindruck erweckt, Finnland stünde auf einer Höhe mit Liechtenstein, San Marino und Andorra, gegen jene ein Remis im heimischen Stadion tatsächlich etwas von einer Blamage hätte. Aber in den finnischen Reihen spielen mit Jari Litmanen und Sami Hyypiä immerhin zwei Champions-League Sieger.
Quizfrage: Wieviele aktuelle deutsche Nationalspieler können das von sich behaupten?
Du findest es also in Ordnung, wenn nach 20 Minuten in einem bedeutungslosen Spiel das Pfeifen angefangen wird?
Wer zum Fußball geht und jedes Mal eine Mega-Spektakel erwartet, hat falsche Vorstellungen von diesem Sport.
Nein, das finde ich nicht in Ordnung. Ich bin ein Verfechter des Halbzeit- bzw. Schlusspfiffpfeifkonzerts. Trotzdem denke ich, dass unsere Herren Nationalspieler sowas abzunicken haben. Wenn wer Grütze spielt und sich hernach darüber beschwert, dass die Geldgeber das Grütze finden, dann wackelt der Schwanz mit dem Hund.
Ich denke man muss da ein wenig trennen. Die Zuschauer im Stadion kann ich schon verstehen, dass es sie nervt, wenn es einen Grottenkick gibt (ob man damit rechnen konnte ist da zweitrangig) – inwiefern die Pfiffe zur 20. Minute berechtigt waren, kann ich persönlich in diesem Fall nicht beurteilen, da ich nix vom Spiel gesehen habe.
Was man aber definitiv separat dazu betrachten muss, sind die Pressereaktionen. Bezeichnungen wie Zumutung und Peinlichkeit sind definitiv völlig übers Ziel hinausgeschossen und zeugen definitiv von einer Wahrnehmungsverzerrung; da bin ich ganz bei gses. Wer ungeschlagen und mit nur zwei Remis als Erster durch die Quali gekommen ist, kann soviel nicht falsch gemacht haben.
Wobei es natürlich auch grundsätzlich schon seit Jahren (oder schon immer?) sehr en vogue ist, die Leistungen der eigenen Nationalmannschaft runterzubuttern und die anderer Teams hochzujubeln (was in diesem Jahr eigentlich nur bei Spanien und England, sowie mit leichten Abstrichen den Niederlanden berechtigt ist)
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Zum Beispiel die Leute, die sich vor Monaten eine Karte für 80 Tacken geleistet haben und sich diese Grütze im Stadion bieten lassen mussten. Die wahrhaft „unangemessene Reaktion“ zu diesem Spiel war die Empörung der Spieler und der Medien über die Zuschauer, die sich doch tatsächlich erdreisteten, ihren Unmut kundzutun.