Fünf Minuten. Eine kurze Zeit, besonders für ein Fußballspiel. Doch manchmal reichen auch 300 Sekunden, um von einer Partie emotional völlig gepackt zu sein und sie so schnell nicht zu vergessen.

Gerade geschehen bei Argentinien – Peru. Nachdem ich das Spiel, in Erwartung eines glanzlosen 1:0 Heimsieges der Albiceleste, nur nebenher im Ticker verfolgte, schaltete ich sofort nach dem 1:1 Ausgleich der Peruaner in Minute 90 ein. Es regnete in Strömen, die Argentinier griffen im Schockzustand verzweifelt an. Schließlich konnte der reaktivierte Torjäger Martin Palermo aus stark abseitsverdächtiger (die argentinischen Zeitlupen gaben keine Auflösung – ein Wunder!) Position in der 93. Minute zum 2:1 für die Argentinier abstauben.
Maradona war nach diesem Treffer nicht mehr zu halten. Er rutschte über den Rasen wie einst Jürgen “The Diver” Klinsmann. Die Jubelszenen, die sich in Buenos Aires abspielten, waren von selten gesehener Intensität und ließen erahnen wie ein ganzes Land gerade explodierte.
Doch ein Peruaner wollte nicht mitfeiern und erlaubte sich schließlich noch fast den Scherz des Jahrhunderts: Nachdem es schien als wolle der Schiedsrichter, wie so oft, nur schnell den Anstoss ausführen lassen, um dann sofort abzupfeifen, drosch der gute Mann sofort nach dem Anstoss die Kugel aus gut 50 Metern auf das argentinische Gehäuse. Die Latte verhinderte den sensationellsten Ausgleich aller Zeiten. Nachdem der Torwart sogar noch den Ball streichelte, gab es Ecke und pflichtbewusst wurde ein Peruaner im Anschluss zur Sicherheit im Sechzehner gelegt, doch statt Elfmeter gab es Abpfiff.
Im Parallelspiel traf Uruguay, ebenfalls in letzter Minute, zum 2:1 gegen Ecuador. Hätte Palermo seinen Trainer nicht erlöst, hätte im abschließenden Spiel Uruguay – Argentinien ein Remis gereicht, und ganz Argentinien hätte sich die WM unbeteiligt im TV ansehen müssen. Hätte Hätte Fahrradkette.

Es scheint als haben manche Menschen (sportlich) mehr Glück als andere. Das gewisse Etwas eben, um solche Partien schadlos zu überstehen. Nach 1986 wurde Diego Armando Maradona erneut von Gott geleitet. In fünf Minuten trieb der Allmächtige das Wesen eines Fußballspiels auf die Spitze. Und wenn man dies mitansehen durfte, dann reichen manchmal tatsächlich auch mickrige fünf Minuten um die Tragweite einer Partie vollends zu begreifen.

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