Seit Montag herrscht Chaos in der Münchner Innenstadt. Veranlasst durch die konkrete Androhung von Terroranschlägen auf dem Oktoberfest, hat die Polizei die Theresienwiese in einen Sicherheitstrakt verwandelt. Um das größte Volksfest der Welt wurde ein Sicherheitsgürtel gezogen, Parkverbot am Festgelände und Leibesvisitationen gehören nun zur Tagesordnung. Ähnliche Zustände kennt der Münchner nur von der jährlich stattfindenden NATO-Sicherheitskonferenz.

Zufällig kann ich das bunte Treiben an einer der Kontrollstellen genauestens beobachten, da mein Bürofenster ca. 10 Meter von dem Schauplatz entfernt ist.
Jedes Auto, dass in den abgesperrten Bereich hineinfahren möchte, muss den genauen Grund angeben und eine, je nach Polizist, längere oder kürzere Durchsuchung über sich ergehen lassen und dies bis zu 24 Stunden am Tag. Die Verkehrsteilnehmer nehmen das bisher noch mit der stoischen Münchener Gelassenheit:
“Schau ma mal ob des was bringt – aber schaden kann‘s ja nicht.”

Etwas weniger wahllos fallen dagegen die Kontrollen am Münchner Hautbahnhof aus. Durch den Ausfall eines Zuges, hatte ich das „Vergnügen“, mir die Personenkontrollen dort eine Zeit lang anzuschauen. In 20 Minuten konnte ich beobachten wie ca. 10 Personen kontrolliert wurden. Die Auswahl fand nicht ganz willkürlich statt. Alle trugen Taschen oder Rucksäcke, alle waren Männer und alle sahen sehr stark nach nahöstlicher Herkunft aus. Ich behaupte keinesfalls das dies auf offizielle Anweisung geschah. Eventuell war es auch nur ein Zufall – aber nachdenklich stimmt es mich schon.

Ist diese Art der Diskriminierung in Ordnung, wenn damit eventuelle Anschläge verhindert werden können?

Ich bin zwiegespalten. Einerseits muss der Staat versuchen, seine Bürger mit allen möglichen Mitteln vor einem Terroranschlag zu schützen – aber darf dies gegen das Grundgesetzt geschehen (Artikel 3 – Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich)?

Wie würde ich mich fühlen, wenn ich im Ausland kontrolliert werden würde, weil ich deutsch aussehe?

Zur Ehrenrettung der Polizei muss aber erwähnt sein, dass diese sehr freundlich auftreten und sich teilweise auch für die Umstände, die sie bereiten müssen, entschuldigen.

Auch wenn nach außen hin weiter die bayerische Gelassenheit regiert, glaube ich, dass jeder Wies’n-Besucher sich insgeheim seine Gedanken macht. Ich werde heute Abend das Champions-League-Spiel meiner Bayern gegen Juve (LIVE-UPDATE 18:48 Uhr: Das sind die Italiener wohl nicht gewohnt. An der Tageskasse gibt es keine Tickets mehr. Die Reise hat sich gelohnt) besuchen und habe mir im Vorfeld einige Gedanken über die Sicherheit gemacht. Es ist noch nicht so weit, dass ich dieses Spiel dafür hätte sausen lassen, aber meine mittäglichen Besuche auf der Wies’n lasse ich inzwischen bleiben.

Wie schätzt Ihr die Situation ein?

RSS Artikel-Abo