Sieben Spieltage sind erst ins Land gezogen. Dennoch kann man – da sich das Trainerkarussell im Kalenderjahr 2009 so oft gedreht hat, wie sonst nur Udo Lattek nach dem Doppelpass – bereits die ein oder andere Schlussfolgerung über gelungene und verkorkste Umgestaltungen Veränderungen auf den Trainerbänken ziehen.

Tabellenführer Hamburg hat mit Bruno Labbadia (von meiner Wenigkeit vorschnell vorlaut in der ersten Testversion des Münchner Fußballpodcats “Nullnummer” als “Klinsmann für Arme” bezeichnet) scheinbar alles richtig gemacht. Aber nur scheinbar. Genauso wie letzte Saison ist der HSV nach 7 Spielen Erster. Geändert hat sich also nicht sehr viel, wenn man den Fußball betrachtet, so gut wie gar nichts. Immer noch schwankt der HSV zwischen Genie (4:1 vs. BVB, 4:2 in Wolfsburg) und Wahnsinn (Pokalaus in Osnabrück, Blamage bei Rapid Wien). Man ahnt: Der HSV wird für einen Titel, trotz vorhanden Potenzials, wiedermal zu unkonstant sein. Und daran wird auch Labbadia nichts ändern. Oder?

Roter Einheitslook

Labbadias Ex-Verein Bayer 04 Leverkusen holte sich mit Jupp Heynckes einen erfahrenen Recken an Bord, der für den Einheitslook von Trikot- und Gesichtsfarbe sorgen sollte. Doch weit gefehlt: Don Jupp ist um einiges gelassener geworden. Na, wer wäre das nicht wenn er, von der sehr süddeutsch gelegenen “Monster Island” entkommen konnte. Bei Bayer läuft’s mal wieder, wie immer in der Hinrunde. Ob das Team wirklich “die Eier” und auch die Lust hat, mal eine ganze Saison durchzuspielen, das wird sich logischerweise, nachdem die Saison ja noch nicht vorbei ist, erst in der Rückrunde zeigen. Letztes Jahr stand die Werkself mit Platz 4 übrigens auch nicht ganz so schlecht da. Veränderung durch Trainerwechsel? Hmh…

Der Tabellenfünfte aus der Vorsaison ist der diesjährige Vierte. Und das, obwohl man den wohl spektakulärsten Coup des Jahres landen konnte. Felix Magath hat auf Schalke, dank dem Einsetzen junger Spieler und dem kürzlichen Derbysieg beim BVB zwar für Euphorie gesorgt, doch rein statistisch hat sich auch hier fast nix geändert. Spielerisch wirken die Königsblauen zum Großteil weiterhin einfallslos und unkreativ, ähnlich wie in den letzten Jahren. Doch Magath darf man Zeit geben. Er hat die aktuellen deutschen Champions-League Teilnehmer dahin geführt wo sie heute stehen. Es wäre wohl sowieso das Beste, wenn der gute Felix alle 3 Jahre den Verein wechseln müsste, um alle Clubs gesund zu trainieren. Das sollte der DFB mal in seine Satzung aufnehmen. Spätestens dann wird sich Magath an den Schalkern eh alle Zähne ausgebissen – oder einfach keine Lust mehr haben, wenn der Verein seine Spieler (und damit eventuell auch den Trainer) nicht mehr bezahlen kann.

Bei Meister Wolfsburg hingeben hat man jedoch das Gefühl, dass sich durch das Verlassen von Magath und dem Ankommen von Veh einiges verändert hat. Es wird schön gekickt, aber der letzte Biss scheint den Wölfen zu fehlen. Kein Wunder, hat man doch einen Trainer der mit Sprüchen wie “Ein guter Spieler grätscht nicht”, zeigt wo es langgeht. Hier wird ausnahmsweise der Einfluss des Trainers deutlich, leider zum Schlechten.

Bayern überrascht

Die “Millionarios” (laßt uns dieses Klischee noch zelebrieren, solange Sportjournalisten das auch noch tun) aus München haben sich nach dem hoffnungslos unterbezahlten Trainerdebütanten Klinsmann einen teuren Welttrainer geholt, der laut Eigenaussage arrogant ist – und damit laut Eigenaussage perfekt zu den Bayern passt. Die Münchner sind auf Platz 7. Im Vergleich zum Vorjahr haben sie sich damit um 4 Plätze gesteigert. Damit ist eines sonnenklar: van Gaal hat eingeschlagen wie eine Bombe. Der FCB ist wieder da. Also auch hier: Trendwende durch den Wechsel. Werden die Trainer doch nicht überbewertet?

Ganze acht Plätze gesteigert haben sich die Frankfurter, und dürfen sich damit gleich mal zwei Stufen höher stellen als die Bayern. Skibbe hat der Eintracht die längst vergessene Euphorie zurückgebracht, die sich Friedhelm Funkel nie getraute anzusprechen. Könnte das neue Selbstbewusstsein etwa am neuen Trainer liegen? Ich glaube bei den Hessen allerdings nur an ein kurzes Hoch. Das Umfeld ist zu unruhig. Wenn es nicht mehr läuft, hat der brave Skibbe keine Chance mehr sich gegen die, durch den Saisonstart geschürten, Hoffnungen zu wehren und ist schneller weg als er gekommen ist. Wenn….

Auf Platz 12: Gladbach. Mein lieber Mann, wer hätte dem prädestinierten Abstiegstrainer Frontzeck das zugetraut? Letzte Saison war die Borussia peinlicher Letzter und nun? Gibt es etwa tatsächlich einen “Local Hero” Effekt? Der Ur-Gladbacher Frontzeck hätte sogar noch mehr Punkte holen können, hätte sein Team sich nicht so doof angestellt und mehrmals eine Führung aus der Hand gegeben.

Keine Langeweile in Köln

Bei den Kölnern dürfte die Euphorie nicht ganz so groß sein: War man vor Jahresfrist mit Rang 10 einen Platz vor den Bayern und somit quasi auf Meisterkurs, steht man dieses Jahr mit Neu-Trainer Soldo und Eigentlich-Trainer Henke auf einem Abstiegsplatz. Doch gehört der FC da nicht einfach hin? Noch eine langweilige Saison im Mittelfeld würde dem Karnevalsverein nicht gut zu Gesicht stehen. Wer würde denn dann noch ins Stadion gehen?

Diese Frage stellt man sich in Berlin schon lange. Vor allem aktuell, man ist Letzter (08/09 war man Vierter(!)) und hat im Moment keinen Trainer mehr, denn Lucien Favre wurde heute entlassen. Hier kann ich sogar direkt auf meine Ausgangsfrage in der Headline zurückkommen und diese letztendlich mit JA beantworten:
Favre, der auch im erfolgreichen letzten Jahr nicht müde wurde, auf die Allroundfähigkeit (Stichwort: Polyvalenz) seiner Spieler und das taktische Teamwork hinzuweisen, hat paradoxerweise selbst bewiesen, dass es ohne “Stars” nicht geht. Die Berliner Achse Drobny-Simunic-Voronin-Pantelic wurde fast ausnahmslos gesprengt und nun fehlen der Hertha neben wichtigen Charakterköpfen auch noch die 3 stärksten Feldspieler, in Kombination nennt man sowas Führungsspieler. Vor dem Aussprechen dieses Wortes hat der Schweizer aber genauso viel Angst wie die SPD vor der Linkspartei und deshalb fand er keinen adäquaten Ersatz bzw. kein wirkungsvolles Mittel die Abgänge zu kompensieren. Der 18. Platz und seine Entlassung ist nun die Folge.

Somit lasse ich am Ende meine These stehen: Ja, Trainer werden überbewertet. Die Lösung: Wenn’s nicht läuft, einfach alle paar Spiele den Hütchenaufsteller wechseln. So hat man die ganze Saison über den sogenannten “positiven Trainereffekt” und es gibt keine arbeitslosen Coaches (Hallo Zeitarbeit und Kündigungsschutz, Hallo FDP !) mehr. Das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je.

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