Das sportliche Highlight der Europapokalsaison 1964/65, war eindeutig das Viertelfinale im Europapokal der Landesmeister, zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Liverpool.
Beide Teams qualifizierten sich als Meister ihrer jeweiligen Liga (meine Güte – der Effzeh Deutscher Meister – kann man sich das heutzutage noch vorstellen?).
Die Domstädter zogen dank souveräner Siege über KF Partizan Tirana und Panathinaikos Athen in das Achtelfinale ein, während sich Liverpool gegen den RSC Anderlecht sowie KR Reykjavik durchsetzte.

It’s a coinflip!

Hinspiel und Rückspiel, welches aufgrund starken Schneefalls kurzfristig verschoben werden musste, endeten torlos. Das Reglement sah zu dieser Zeit ein Wiederholungsspiel vor. Und so traf man sich ein drittes Mal, an einem neutralen Ort. Die Partie in Rotterdam endete 2:2 nach Verlängerung. Nach insgesamt 300 Spielminuten in Köln, Liverpool und Rotterdam kam es nun also zu der gerechtesten aller sportlichen Entscheidungen – dem Weiterkommen per Münzwurf!

Zwischen 1957 und 1970, wurden im Europapokal der Landesmeister 7 Spiele, im Messepokal (späterer UEFA-Pokal) 12 Spiele und im Europapokal der Pokalsieger 5 Spiele, per Losverfahren entschieden. Der wichtigste Münzwurf fand 1970 zu Gunsten des AS Rom im Halbfinale des Pokalsiegerwettbewerbes statt.

Der vermeintlich berühmteste Losentscheid in der Geschichte des Fußballs ereignete sich 1968 bei der EM in Italien. Die Gastgeber erreichten das Finale per Münzwurf, nachdem das Spiel gegen die UdSSR 0:0 nach Verlängerung endete. Pikant hierbei war nicht nur die enorme Bedeutung des Spieles, sondern auch, dass die Funktionäre des italienischen und sowjetischen Fußballverbandes darauf bestanden, dass die Lotterie nicht unter freiem Himmel, sondern in den Katakomben des Stadions durchgeführt werden sollte.
1970 wurde der Losentscheid durch das noch heute gängige Elfmeterschießen abgelöst. Bereits fünf Jahre später, ermittelten Argentinos Juniors und Racing Club Avellaneda mit 20:19 den Sieger im bisher längsten Elfmeterschießen der Fußballhistorie.

Doch die Münze wollte nicht so, wie vom belgischen Schiedsrichter Schaut beabsichtigt. Im ersten Anlauf blieb sie senkrecht im Boden stecken, so dass ein zweiter Wurf notwendig wurde (wer weiß, sonst wäre der Effzeh eventuell Europapokalsieger der Landesmeister geworden!?).
Der zweite Versuch saß und entschied zu Gunsten der Engländer, die im Halbfinale am späteren Sieger Inter Mailand scheiterten.

All dies hätte bereits ausgereicht, um diesem Europapokal-Viertelfinale Kultstatus zu verleihen. Aber der wahre Held des Wiederholungsspiels hieß Wolfgang Weber.
Der damals 20 jährige Abwehrspieler erlitt bereits in der ersten Hälfte eine Verletzung und musste in der Kabine behandelt werden. Zu dieser Zeit waren Auswechslungen noch nicht vorgesehen.

“Bulle” spring!

Im Anschluss an das Spiel, wurde bei Wolfgang Weber ein Wadenbeinbruch diagnostiziert. Dies schien den Ärzten in der Umkleidekabine des FC aber entgangen zu sein. Weber erhielt Schmerzmittel und musste als „Belastungstest“ von einem Tisch springen.
Tatsächlich lief er in der zweiten Halbzeit wieder auf und hatte sogar zweimal die Chance das Spiel zu Gunsten der Kölner zu entscheiden.
Nebenbei: Fällt Ribery am Wochenende eigentlich mit Wadenzerrung aus?

Wolfgang “Bulle” Weber erholte sich von seinem Wadenbeinbruch und absolvierte bis 1977 insgesamt 356 Spiele für den 1. FC Köln. Den meisten Fußballfans dürfte er auch noch durch eine andere Aktion ein Begriff sein. Zwei Jahre später köpfte er den von einer Torlinie zurückkommenden Ball über die Querlatte eines englischen Stadions . Ob es ein Tor war oder nicht, darüber wird heute noch heftig diskutiert – doch als deutscher Fußballfan ist die Antwort einfach und eindeutig – Nein!

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Autor: chievo2002

Quellen: wikipedia.de, 11freunde.de, fckoeln.de

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