Über die Bochumer sprach ich, in der inzwischen dreizehnten Folge des “Bloggerblicks”, mit dem freien Autor (u.a. für 11 Freunde und Spiegel online) und Filmemacher Ben Redelings, der von Kindesbeinen an mit dem VfL mitfiebert. Zwei seiner Werke, die u.a. fußballkompetente Fürsprecher haben, findet Ihr ihr den Amazon-Links unter dem Artikel.

Bisher erschienen im “Bloggerblick”:
Es muss wieder Spaß machen, auf Schalke zu gehen
Oenning hat in sehr kurzer Zeit sehr viel richtig gemacht
Hoffenheim hätte letztes Jahr schon alle schlagen können
Gomez war eine Naturgewalt
Die Niederlagen gegen Bremen haben an der Substanz gezehrt
Die Titelverteidigung ist utopisch
Wiese ist zu einer absoluten Kultfigur geworden
Dutt ist taktisch eine Klasse besser als Finke
“Der Abstieg wäre für Mainz keine Schande
Die Erwartungen sind in Gladbach meist zu hoch
Adler muss sich wieder fangen
Hoffentlich hat Meier aus der Vergangenheit gelernt

Die Einschätzungen über den VfL gehen weit auseinander. Die einen sprechen von der grauen Maus, die anderen von einem Club, der einen besonderen Reiz ausstrahlt. Was macht die Faszination Bochum aus?
Das mit der grauen Maus höre ich immer seltener, insbesondere wenn ich auswärts unterwegs bin. Da heißt es oft, dass der VfL so ein sympathischer Verein ist. Das kann man natürlich auch negativ sehen. Aus dem Grunde nämlich, da wir keinem weh tun und immer schön die Punkte hergeben. Zwischen den großen Rivalen Dortmund und Schalke kommen wir uns auch immer ziemlich klein vor. Herausstellen kann man das Attribut “familiär”, auch wenn das in der heutigen, durchkommerzialisierten Fußballwelt sehr schwierig ist. Sensationell war beispielsweise wieder die Saisoneröffnung, da der Kontakt zwischen Fans und Spielern, der in letzter Zeit leider etwas gelitten hatte, phänomenal war. Da haben sich die Spieler unters Volk gemischt und es war auch nicht so, dass man dachte, die würden das extrem ungern tun.

Ist dann der Fußball in Bochum noch ein wenig ursprünglicher als z.B. bei den Ruhrpottrivalen?
Das sagen tatsächlich auch andere Fans. Dortmund hat auf der emotionalen Basis viel durch Klopp dazugewonnen, aber v.a. von Schalkern hört man häufiger, dass es hier einfach beschaulicher und näher zugeht. Aber es ist auch nicht alles in Butter, da ständig die sportlichen Leiter wechseln, dennoch hängt in diesem Verein etwas besonders Traditionelles und Persönliches drin. Der VfL ist ein reiner Stadtclub, fast alle kommen direkt aus Bochum, das erklärt auch einen Teil der engen Verbindung zwischen Fans und Spielern.

Wie ist das Verhältnis zum BVB und zu S04? Gibt es da eine, für Fußballfans manchmal typische, Hass-(Liebe) Verbindung?
Hass auf gar keinen Fall, jedoch eine gesunde Rivalität. Die Fans hier im Revier sind sich so unheimlich ähnlich in ihrer Begeisterung für ihre Vereine, die teilweise wirklich ausufert. Normalerweise, besonders während der Derbys, gibt es die 90 Minuten, in denen man die Rivalität verbal auslebt und danach trinkt man ein Bierchen zusammen. Hass gibt es nur bei den ganz Tumben.

Bochum ist in der Verbindung mit  “unabsteigbar” allen Fußballfans ein Begriff. Gibt es nach der nächsten Saison wieder mal eine Unterbrechung?
Damit leben wir seit 1993. Damals waren wir 22 Jahre in der ersten Liga und ab da ging es in diesen Fahrstuhl rein: “Zu schlecht für die erste, zu gut für die zweite Liga”. Das wir jetzt wieder, wie im kicker zu lesen, als Absteiger Nummer 1 gehandelt werden, ist auf Dauer ziemlich langweilig. Als dieses “unabsteigar” aufkam, sind wir lustigerweise gleich in der nächsten Saison abgestiegen. Man muss als Bochum-Fan jedes Jahr mit dem Abstieg rechnen. Dass wir uns die letzten Jahre in der Liga gehalten haben, ist ein Erfolg, hat aber durchaus auch mit Glück zu tun.

Die zwei Ausflüge in den UEFA-Cup bleiben somit ein nicht wiederholbarer Traum?
Das kann immer wieder passieren, so wie Wolfsburg Meister wurde, kann der VfL Bochum auch in den UEFA Cup einziehen. Für VfL Fans ist es das höchste der Gefühle durch Europa zu reisen, oder ins Pokalfinale zu kommen, was seit 1988 nicht mehr geklappt hat. Diese Träume leben natürlich.

Wie schätzt du das Team für die kommende Saison ein?
Von den Neuzugängen brauch man nicht so viel erwarten, obwohl Johannson einen sehr lebendigen Eindruck macht. Die Bundesliga wird viel Spass an ihm haben, weil der nicht eine Sekunde still steht und schon beim Schiri reklamiert, bevor er überhaupt gefoult wurde. Ansonsten halte ich mich an das von Vereinsseite ausgegebene Motto. Wir haben eine eingespielte Mannschaft, damit können wir am Anfang der Saison vielleicht ein paar Teams übertölpeln und einen grandiosen Blitzstart hinlegen.

Koller scheint ja ein gewisses Standing zu haben. Er wurde nach der schwachen Hinrunde gehalten und hielt dann den VfL relativ souverän in der Liga.
Das mit dem Standing stimmt so nicht. Das ist das Problem in Bochum. Es gibt einige, die nicht gerade Koller Freunde sind und da überdeckt der Erfolg des vierten Klassenerhalts in Folge die Schwächen, die zweifelsohne vorhanden sind. Wenn wir die ersten 3 Spiele verlieren, dann brennt die Bude. Der Trainer ist bei den Fans nicht unbedingt gefestigt und dieses Manko nimmt man in die neue Saison mit rein, da kann man nur auf einen guten Start hoffen.

Das verwundert ein wenig, ich denke es ist, von Außen betrachtet, durchaus eine gute Leistung, die Koller in Bochum gezeigt hat.
Definitiv. Das ist eine typische Macke der neuen Fußballwelt, in der viele nur die Zusammenfassungen oder die Konferenzschaltungen sehen. Dadurch haben wir das “Problem”, dass manche Leute sich gut in der Öffentlichkeit verkaufen können und das gibt ein anderes Bild wieder, als jenes beim eigenen Anhang, welcher alle Spiele sieht. Nichts gegen Koller, aber es klafft eine riesengroße Lücke zwischen seiner Wirkung deutschlandweit, und der lokalen hier in Bochum. In der Hinrunde haben wir einen Sieg geholt. Da kann sich jeder Fan vorstellen, was da für Spiele rausgekommen sind.

Eine Best-of Frage zum Abschluss. Was war dein bestes Erlebnis als VfL Fan?
Man könnte jetzt sehr weit zurückgehen, aber um nah dran zu bleiben nehme ich den Rückrundenauftakt in Bremen vor 1 1/2 Jahren. Da hatten wir in 33 Jahren Bundesliga noch nie gewonnen. Am Ende kam in einem total verrückten Spiel ein 2:1 Sieg heraus. Das ist mir persönlich in jüngster Vergangenheit am Meisten hängen geblieben.

Ben’s Managerspielempfehlungen
Mavraj hat sich am Ende der Saison in der Innenverteidigung festgespielt, daher meine wärmste Empfehlung. Ebenso gibt es einen Torwartkampf, den wohl Heerwagen gewinnen und eine überraschend gute Saison spielen wird.

Autor:gses

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