Nach dem gestrigen Ruhetag, folgt ab heute Teil 2 des Bundesliga-Bloggerblicks (Folgen 10-18). duelp vom Bolzplatz-Blog gab zu erkennen, dass in Gladbach oft zu viel erwartet wird und dass die Helden der 70er Jahre auf ewig aktuell sein werden.

Bisher erschienen im “Bloggerblick”:
Es muss wieder Spaß machen, auf Schalke zu gehen
Oenning hat in sehr kurzer Zeit sehr viel richtig gemacht
Hoffenheim hätte letztes Jahr schon alle schlagen können
Gomez war eine Naturgewalt
Die Niederlagen gegen Bremen haben an der Substanz gezehrt
Die Titelverteidigung ist utopisch
Wiese ist zu einer absoluten Kultfigur geworden
Dutt ist taktisch eine Klasse besser als Finke
“Der Abstieg wäre für Mainz keine Schande

Nach einem kleinen Streifzug durch deinen Blog, bekommt man das Gefühl, dass du relativ pessimistisch auf die Saison blickst?
Pessimistisch oder realistisch, darüber kann man sich streiten. Im Gladbacher Umfeld ist man im Allgemeinen eher optimistisch, zweckoptimistisch könnte man es fast schon nennen. Die Erwartungen sind meist zu hoch gesteckt, so dass man relativ schnell enttäuscht ist und dann auch wenig Spass an der Saison hat, deswegen bin ich dazu übergegangen mal gar nix zu erwarten und mich positiv überraschen zu lassen.

Es wurden scheinbar qualitativ gute Neuzugänge geholt. Was ist denn im Besonderen über Arango zu sagen?
Arango muss ein sehr konstanter Spieler in der Primera Division gewesen sein, immerhin Leistungsträger bei Real Mallorca. Er scheint ein wenig extrovertiert zu sein, inklusive einiger Allüren. Von ihm verspreche ich mir, dass er keine Wunderüte ist, sondern einer auf den man regelmäßig bauen kann.

Ebenso neu ist Trainer Michael Frontzeck. Ihm wird nicht gerade viel zugetraut.
Frontzeck ist ein Trainer über den wir in Gladbach nichts Gutes, aber auch nicht Schlechtes sagen können. Man kann ihm anlasten, dass er bei seinen Stationen jeweils abgesteigen ist, aber er hatte jeweils keinen leichten Job und hat die Mannschaften da hin geführt, wo man sie erwartet hatte. Wenn er das bei Gladbach auch so macht, und es gibt 4,5 Teams, die von der spielerischen Klasse unter uns stehen, dann hat er sein Soll erfüllt.

Man hat sich ziemlich schnell für Frontzeck entschieden. Kann es sein, dass man ihm ebenso schnell wieder fallenlässt?
Er hat eine Historie in Gladbach, und da fällt es natürlich doppelt schwer jemanden rauszuwerfen. Wenn es mal schlecht läuft, wird man länger an ihm festhalten, aber dennoch wird an der Leistung gemessen und in der Vergangenheit gab es andere Trainer, beispielsweise Heynckes und Advocaat, die einen ähnlichen Vertrauensvorschuss zu Saisonbeginn hatten. Nachdem es nicht gelaufen ist, waren sie aber dann auch recht schnell weg.

Wird im Umfeld zuviel von der Mannschaft erwartet?
Ein Teil des Publikums glaubt, dass man aufgrund der Tradition den Anspruch hat, oben mitzuspielen. Dann soll am besten noch eine bestimmte Art Fußball gespielt werden. Die Tribüne ist schnell dabei mit den Pfiffen, wenn es nicht ganz so läuft. Es gibt natürlich auch viele realistische Fans mit Fußballsachverstand. Dadurch entstehen dann gern auch mal Konflikte auf der Tribüne.

Kannst du nachvollziehen, dass Hans Meyer gegangen ist oder hättest du ihn gerne länger behalten?
Ich persönlich hätte ihn nicht unbedingt gerne länger behalten und kann die Entscheidungen auch nachvollziehen. Er hat das gemacht, was von ihm erwartet wurde. Er hat seinen Aufgabe aber auch nicht perfekt gelöst. Er hat recht viele Spiele verloren, trotz Klassenerhalt. Er hat mit Libero spielen lassen, ein antiqiurtes Spielsystem, das sehr unambitioniert ist. Im Endeffekt ist es in Ordnung, wenn er keine Lust mehr hat was aufzubauen.

Wie präsent ist denn die glorreiche Zeit von Borussia aus den 70ern?
Sehr präsent. Gladbach hat nicht viel Identifikationspotenzial, die Stadt lebt, ähnlich wie in Kaiserslautern, für den Fußball. Und das wird weitergegeben, die Spieler von damals sind zum Teil immer noch selbst dabei wie z.B. Vize-Präsident Bonhof. Hacki Wimmer steht regelemäßig in der VIP-Loge. Und sogar die Jüngeren können die Meistermannschaft von damals aufsagen.

Kommen wir zu den Abgängen. Alexander Baumjohann, was will der denn bei den Bayern?
Gute Frage. Ich hab einige Spiele von ihm live gesehen und er hatte wirklich seine Sternstunden, ganz oft ist er allerdings auch untergetaucht. Bei Bayern traue ich ihm fast nichts zu, ebenso bei anderen Vereinen aus der oberen Tabellenregion. Er hat gute Anlagen, ist aber sehr phlegmatisch und dadurch wird er eventuell nie ganz dahinkommen, wo er mit seinem Potenzial hinkommen könnte. Das Problem war für ihn, ähnlich wie für Marin, dass unter Meyer viel nach hinten gearbeitet werden musste, und das lag ihm nicht.

Hat Meyer die Talente blockiert?
Nicht unbedingt blockiert. Marin hat seine Probleme in der Defenisve, das ist offensichtlich und heutzutage kann man sich nie ganz von
freimachen von diesen Aufgaben. Auch als Star muss man mit nach hinten arbeiten. Nur wenn man als Team 80 Minuten in der Defensive steht, dann ist klar, dass die Offensivspieler ihre Stärken kaum ausspielen können. Bei Werder wird Marin mehr Freiraum bekommen und sich besser entfalten können.

Bist du traurig, dass er weg ist, oder freust du dich über die 8 Millionen Ablöse?
Ich fand das ein bißchen wenig. Ein solches Talent mit einem einmaligem Spielerprofil und was im Vergleich für andere Spieler über den Tisch geht: Das war das die unterste Grenze.

Hast du die Hoffnung, dass so ein Spieler mal bleibt oder ist es, auch bei Gladbach, logisch dass so einer irgendwann geht?
Aus finanzieller Sicht könnte Borussia vielleicht sogar mithalten, aber von der sportlichen Perspektive reicht es nicht. Auf absehbare Zeit wird das auch nicht deutlich besser werden. Ein Marin hat höhere Ambitionen.

Was ist denn ein realistisches Saisonziel?
Ein perfekter Verlauf wäre, wenn wir nie so arg in Abstiegsgefahr geraten würden. Mit einem ständigen Punktepolster wäre ich hochzufrieden.

Du hast in deinem Bolzplatz auch geschrieben, dass man, bei dem Spielplan, ebensogut hätte absteigen können.
Die ersten vier Wochen fühlen sich nach zweiter Liga an. Wenn man einmal Freitag und dreimal sonntags spielt, dann kommt kein Erstligafeeling auf. Das ist total undankbar für die Fans, besonders die, mit etwas weiterer Anreise. Da kann man diese Spiele oft nur bedingt wahrnehmen. Das ist sehr ärgerlich und langfristig ist das sicher keine gute Idee von der DFL. Die Bundesliga verliert so an Attraktivität.

duelp’s Managerspielempfehlungen
Rob Friend hat sich akklimatisiert und bietet ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Wer Risiko gehen möchte nimmt Arango, der ist ein guter Freistoßschütze.

Autor:gses

Photo under Creative Commons license. Author: Marcel Meier

RSS Artikel-Abo