Verfasst von gses.
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“Der Abstieg wäre für Mainz keine Schande”
Der Karnevalsverein aus Mainz komplettiert die drei Aufsteiger. Mit Jens vom 05erFanblog sprach ich über die Ambitionen der Rheinhessen und die besondere Fankultur.
Bisher erschienen im “Bloggerblick”:
“Es muss wieder Spaß machen, auf Schalke zu gehen”
“Oenning hat in sehr kurzer Zeit sehr viel richtig gemacht”
“Hoffenheim hätte letztes Jahr schon alle schlagen können”
“Gomez war eine Naturgewalt”
“Die Niederlagen gegen Bremen haben an der Substanz gezehrt”
“Die Titelverteidigung ist utopisch”
“Wiese ist zu einer absoluten Kultfigur geworden”
“Dutt ist taktisch eine Klasse besser als Finke”
Vor einiger Zeit haben wir hier den Dauerkarten-Vergleich angestellt. 217,50 € bei Mainz, und damit erheblich teurer als beim Rest. Was ist da los?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich nie für die Dauerkarten-Preise von anderen Vereinen interessiert habe. Ich schaue einfach nur, ob ich mir das von Mainz leisten kann oder eben nicht. Gut, und ob das jetzt wirklich so viel ist – wer ein neues Stadion bauen will, der muss auch ein bißchen Geld in die Kasse spülen, das ist schon in Ordnung.
Wie wurde denn der neue Trainer Jörn Andersen nach der Ära Klopp angenommen?
Persönlich war ich zunächst skeptisch, und jeder nach Klopp hat es, insbesondere auf der emotionalen Ebene, schwer da mitzuhalten. Ich habe versucht, ganz neutral seine Arbeit zu beurteilen. Er hat dann recht schnell gezeigt, dass er akribischer, detailverliebter und ernsthafter an die Sache rangeht als Motivator Klopp. So nach und nach hat man ihm immer mehr vertraut. Ab der Herbstmeisterschaft war dann allen klar, dass wir den richtigen Trainer haben.
Der Aufstieg war also kein Glückstreffer?
Glück war das auf keinen Fall, sondern ganz, ganz harte Arbeit, sowohl vom Trainerteam als auch von den Spielern. Mit Klopp wäre das schon eher Glück gewesen, in dem Sinne, dass man “nur” durch reine Euphorie wieder aufgestiegen wäre. Klopp war eben der Motivator, der auch von Firmen für Workshops gebucht wurde. “Kloppo” durfte geduzt werden, bei Andersen ist das hierarchischer. Er hat diese Spielchen weggelassen und sich auf das Wesentliche konzentriert. Ein Trainer, der von seinen Spielern viel Arbeit und Leistung verlangt, und so konnte man den Aufstieg verwirklichen.
Mainz ist ein kleiner Verein zwischen zwei Ligen. Ändert sich da etwas in der neuen Saison?
Wenn man sich den Kader ansieht, den Mainz derzeit hat, inklusive den gleich verletzten Neueinkäufen Trojan und Polanski, mache ich mir keine Illusionen. Es wird von Anfang an gegen den Abstieg gehen. Die genauen Chancen kann man noch nicht abschätzen. Das Team ist, bis auf wenige Ausnahmen, relativ bundesliga-unerfahren. Auf alle Fälle wird es Mainz schwerer haben, als beim ersten Aufstieg damals. Da wurde vieles von einer unglaublichen Euphorie getragen. Diese ist jetzt nicht mehr ganz so hoch. Außerdem ist die Liga dieses Jahr so stark wie lange nicht mehr. Wenn wir wirklich Fünfzehnter werden, dann können wir uns auf die Schulter klopfen, aber ein Abstieg wäre keine Schande.
Wer sind die Schlüsselspieler?
Miroslav Karhan im Mittelfeld, weil er die nötige Ruhe reinbringt. Stürmer Aristide Bancé wird wichtig sein. Er kann sehr kaltschnäuzig sein. Mit Wache und Müller kämpfen im Tor zwei starke Leute um den Stammplatz. Die Abwehr um Hoogland und Noveski ist eine sichere Bank.
Wie sehr wird ein Markus Feulner fehlen, der zum BVB abgewandert ist?
Ich bin gespannt, wie Andersen seinen Abgang kompensieren wird, denn Feulner war einer, der sehr gut den Ball erobern und auch halten konnte. Eigentlich sollte Filip Trojan ihn ersetzen, aber der ist noch länger verletzt. Für Elkin Soto ist ein Vorteil, dass in Liga 1 nicht so brutal körperbetont gespielt wird, wie in Liga 2. Das harte Spiel liegt dem kleinen Kolumbianer nicht, er ist eher so ein kleiner graziler Typ, ein Dribbler. Vielleicht kann er im Spielaufbau einiges beitragen.
Stichwort Mainzer Fankultur. Man besingt sich selbst gern als Karnevalsverein und es scheint, dass der Druck von den Fans auf die Spieler um einiges geringer ist, als bei anderen Vereinen.
Absolut. Ich denke kein Mainzer Fan wird sich falsche Hoffnungen machen. Wir dürfen uns nicht beschweren, wenn wir kaum ein Spiel gewinnen. Es wird einfach verdammt eng. Wichtig für die Fans ist, dass die Jungs vernünftig spielen und alles geben. Hier wurde teilweise die Mannschaft schon abgefeiert, wenn ein Spiel verloren wurde. Wenn einfach nicht mehr drin bzw. der Gegner zu stark war, dann wird das anerkannt, das macht diese typische Mainzer Gänsehautstimmung aus. Wenn Leidenschaft und Einsatz nicht gestimmt haben, wurde aber genauso auch schon nach gewonnen Spielen gepfiffen.
Jens’ Managerspielempfehlung
Ich hoffe dass der kleine Dribbler Elkin Soto seinen Durchbruch schafft.
Autor: gses
Photo under Creative Commons License. Author: nordlichter4
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