Der Bundesliga-”Bloggerblick” Teil 3. Heute geht es um den letztjährigen Herbstmeister, die TSG Hoffenheim. Mein Gesprächspartner war Heiko vom Akademiker-Fanclub .

Bisher erschienen im “Bloggerblick”:

Es muss wieder Spaß machen, auf Schalke zu gehen
Oenning hat in sehr kurzer Zeit sehr viel richtig gemacht

Wie wird man denn eigentlich zum Hoffenheim-Fan?
Wir leben hier in einer Fußball-Diaspora, bisher war das ein riesiges Areal ohne Bundesligaverein. Es leben über 2 Millionen Menschen in dieser Region und dann kam SAP bzw. Hopp und der hat vor einigen Jahren angefangen, sich stark zu engagieren. Und das wurde hier gut angenommen. Ich sage aber auch, das muss man mögen. Fußball-Traditionalisten sagen: Hätte der mal 1734 angefangen, könnten wir heute darüber reden.

Gibt es in dieser Region denn keine Traditionalisten, die das ablehnen?
Klar, es gibt Waldhof und VfR Mannheim, die beide so traditionalistisch sind, dass sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Hoffenheim würde es als Bundesligist nicht geben, wenn sich die beiden Mannheimer mal geeinigt hätten, aber die können sich partout nicht ausstehen und warum sollte dann jemand wie Hopp sein Geld da investieren?

Er hat immerhin bei Hoffenheim in der Jugend gespielt.
Naja gut, das ist eher so die letzte romantische Version dazu. Das ist eher Image-Building. Der Plan war vor 3 Jahren eine Art SC Heidelberg aus verschiedenen Vereinen zu machen. Aber dann gab es diese typische Provinz-Posse, wo ältere gediegene Herren sich gegenseitig nicht ausstehen können. Ein gewisser Herr Wild von Capri-Sonne erhob damals Anspruch auf das Gelände, wo das Heidelberger Stadion geplant war. Er behauptete, dass er Ausbildungsplätze schaffen würde und dass das Gelände ihm sowieso schon vor ewigen Jahrzehnten versprochen war. Vornehmlich aus dem Grund, weil er sich persönlich vom Konkurrenten Hopp überrannt bzw. angegriffen fühlte. Die Entscheidung fiel dann zugunsten von Wild. Da hat Hopp gesagt, ich geh nach Sinsheim, da hab ich genug Platz und da hab ich früher sowieso gekickt. Und Herr Wild wanderte dann aber doch nach Brandenburg ab, was die ganze Geschichte ziemlich widerlich macht.

Nun war Hoffenheim in der Hinrunde der Emporkömmling, der mit tollem Fußball auf sich aufmerksam, die Rückrunde war dann sehr negativ geprägt. Zu welchem dieser beiden Abschnitte wird es denn hingehen in der neuen Saison?

Ganz klar Ersteres. Diese Saison wird es mindestens international. Das Team ist zusammengeblieben und die anderen Mannschaften haben sich nicht so gut verstärkt, und bereits letztes Jahr hätten wir alle schlagen können. Die ganzen jungen Spieler Anfang 20, da ist man mental noch nicht soweit. Wenn ich mir vorstelle, dass ich in keiner Disco sein könnte, ohne dass mich irgendeine Blondine anmacht, die alles für mich tun würde, da hätte ich auch Schwierigkeiten nicht verwirrt zu sein. Es hat auch dank eines guten Spielplans geklappt und die haben sich unschlagbar gefühlt. Auch ein sensationelles Spiel wie in Bremen als man von 1:4 auf 4:4 kam und noch blöd verlor, hat gezeigt wie stark die Truppe ist. In der Winterpause haben sie über sich selber nachgedacht, und da kommt bekanntermaßen oft nix gutes bei raus.

Auf dem Transfermarkt haben sie mit den zwei talentierten Südamerikanern Maicosuel und Zuculini und dem erfahrenen Simunic gute Spieler hinzugewonnen.

Was man so hört, auf alle Fälle. Allerdings kann man das vorher nie wissen. Richtig finde ich, dass Ba nicht gegangen ist, dem wurden von seinem Berater eh nur Flausen ins Ohr gesetzt. Simunic ist großartig. Mit dem alternden Nilsson und dem teilweise unsicheren Compper kommt der für die Innenverteidigung genau richtig. Als die Hertha hier in Hoffenheim gespielt hat, haben wir uns fürchterlich über dessen Art aufgeregt, aber gespielt hat er großartig – obwohl wir dauernd angerannt sind.

Das hört sich alles sehr optimistisch an. Wo geht’s denn in langfristiger Zukunft mit den Hoffenheimern hin?

Das wird eine spannende Sache. Nun sehen Schindelmeiser und Co bereits, was für ein Interesse von anderen Vereinen besteht, wenn man so gute Spieler hat. Da wird entscheidend sein, wie dann der erste Umbruch gehandhabt wird. Kritisch sehe ich die wahnsinnigen Vorschusslorbeeren, insbesondere das Scouting wird gepriesen und hat natürlich super geklappt – aber das war erst einmal. Warten wir da doch lieber noch ein bißchen ab. Auch die Probleme mit den Undiszipliniertheiten und den roten Karten in der Rückrunde muss man kritisch betrachten. Da war dann auch der Psychologe völlig nutzlos. Zudem wird sich zeigen, ob sie einen Spieler wie Andreas Beck auf Dauer halten können. Solchen Leuten müssen in Zukunft richtig gute Vertragsangebote vorgelegt werden.

Macht man sich als Fan Gedanken, dass Dietmar Hopp irgendwann einfach keine Lust mehr hat?

Nö, eher weniger. Aus der Ferne wird da immer viel kritisiert, aber man muss nur mal in die Schulen hier gucken: Da findest du täglich Hoffenheim-Trikots, das entwickelt sich – das sieht Hopp natürlich auch. Die Spieler sind hier richtige Stars.

Heiko’s Managerspielempfehlungen
Obasi, Weis und Beck. Auf jene zu setzen ist eine ziemlich sichere Bank

Autor:gses

Photo under GNU Free Documentation License: Author: Smalltown Boy

RSS Artikel-Abo