Nachdem sich der Schalker Jermaine Jones, inklusive peinlicher Zwischentöne, entschloss, für das Heimatland seines Vaters, die USA, aufzulaufen, will nun auch Halb-Ghanaer Kevin Prince Boateng kein deutscher Nationalspieler mehr sein werden.

„Ich wollte mich beim DFB durchsetzen. Ich habe alles versucht“ wird der von Tottenham an Dortmund ausgeliehene Mittelfeldspieler in einschlägigen Onlinemedien zitiert.

Wie kann man mit 22 Jahren alles versucht haben?

Die Parallelen zum Schalker Jones sind unverkennbar. Beide gelten mitunter als „Rüpel“ die sich auf und neben dem Platz rebellisch geben. Zumeist “strahlt” aber dieses Benehmen mehr als ihr eigentliches Spiel. Fakt ist, beide sind für einen (Stamm-) Platz im DFB Team zu schwach und beide wollen das nicht so richtig wahrhaben. Fehlende bzw. falsche Selbsteinschätzung. Während allerdings bei Jones kein Entwicklungssprung mehr zu erwarten ist, könnte beim gebürtigen Berliner Boateng aufgrund seiner Jugend noch einiges an Leistungsvermögen hinzukommen. Der damalige Wechsel von Berlin nach Tottenham für völlig unglaubliche 7,9 Millionen Euro ist ihm unter Umständen zu Kopf gestiegen, denn mehr als ein solider Bundesligaspieler (und ein großes Talent) ist er noch nicht. Zudem ist er letzte Saison eher durch brutale Fouls anstatt durch guten Fußball aufgefallen. Er sollte sich mal ein paar Tips von seinem Bruder Jerome holen, der gerade bei der U21 EM als DIE Neuentdeckung auf der Innenverteidiger-Postion gefeiert wird.

Erfolgsaussichten und Reisestrapazen

Wir haben es hier mit purem Opportunismus zu tun – nach dem Motto: „Schaff ichs hier nicht, probier ich es halt mal da“. In einer Zeit in der es kaum noch Spieler gibt, die überhaupt einen Bezug zu Ihrem Verein haben, entwickelt sich ähnliches nun sogar auf Nationalmannschaftsebene. Man muss den Spielern mit Migrationshintergrund aber zugute halten, dass sie es besonders schwierig haben. Sie stehen zum Teil „zwischen den Stühlen“ und fühlen sich eventuell von Grund auf zu keinem der Länder ihrer Eltern hingezogen. Dennoch hatten Jones und Boateng eines von Anfang an im Sinn: Für Deutschland spielen. Dass dies eher von der Aussicht auf zukünftigen Ruhm als von echter Zugehörigkeit getrieben wurde scheint offensichtlich. Denn mit der DFB Elf kann man höchstwahrscheinlich mehr erreichen als mit den USA oder afrikanischen Nationalteams. Ebenso umgeht man so auch die Reisestrapazen, die in Europa tätige Nicht-Europäer regelmäßig auf sich nehmen müssen. Doch auf einmal zählt das nicht mehr und die Flagge auf dem Auto wird getauscht.(1)

Während Jones als Stammspieler bei dem Amerikanern zum Zuge kommen dürfte, sieht es für Boateng da schon etwas schlechter aus: Mit Superstar Mickael Essien und Kapitän Stephen Appiah hat er schier unüberwindbare Konkurrenz vor sich. Im 2010er WM-Kader der Afrikaner dürfte er aber dennoch auftauchen.
Autor: gses

(1) Lobend erwähnt sei an dieser Stelle einmal Ryan Giggs der sich einst, trotz der Möglichkeit in der englischen Nationalmannschaft große Karriere zu machen, von Beginn an für sein Herz, und damit sein echtes Heimatland Wales entschied.

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