Verfasst von gses.
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Spiele meines Lebens, jene mit schlechtem Ausgang
Nigeria – Italien 1:2 n.V (1994, Achtelfinale, WM in den USA)
Jay-Jay Okocha. Quasi von Anbeginn meines Daseins als Fußballfan war er mein absoluter Lieblingsspieler. Da war es natürlich naheliegend den Nigerianern bei der WM 94 die Daumen zu drücken. Und schon mit den ersten Minuten des ersten Vorrundenspiels gegen total überforderte Bulgaren (3:0) eroberten sie mein Herz. Sensationeller Offensivfußball mit der typisch unorthodoxen Prägung und hochtalentierten Spielern wie Amokachi, Amunike, Oliseh, Yekini, Finide George oder eben Okocha. Im Achtelfinale gegen die italienischen Defensivkünstler lagen sie hochverdient 1:0 in Front und ich machte innerlich bereits Luftsprünge. Doch ich sollte schon in sehr jungen Jahren lernen, dass ein Spiel erst zu Ende ist, wenn der Schiri abpfeift (5 Mark ins Phrasenschwein!). Meine präpubertäre Empfindsamkeit gnadenlos ausnutzend, machte es die “Squadra Azzura” besonders unerträglich und schlug eiskalt zu. Zunächst traf Baggio in der letzten Spielminute, um sein Team in die Verlängerung zu retten. Schließlich verwandelte er in der 102. Minute einen umstrittenen (was sonst?) Rempelelfmeter. Ich war am Boden zerstört, die Tränen unvermeidlich.
Wen die 94er “Super-Eagles” weiter interessieren:
Auf „Spiegel-online“ gibt es einen älteren Artikel, der die damalige Stärken Nigerias beleuchtet, und die Verfehlungen ihres holländischen Trainers Westerhof aufgreift, der seinem enthusiastischem Team jegliche Spielfreude nahm.
Nürnberg – Freiburg 1:2 (1999, Bundesliga 34. Spieltag)
Dank noch vorherrschender Minderjährigkeit ging es am 29. Mai 1999 mit dem Zug und Kompagnon letreu (der hier und da auch bloggt) aus dem schönen Freising Richtung Nürnberger Frankenstadion, um den Saisonabschluss mit dem bereits quasi feststehenden Klassenerhalt zu feiern. Der Club war Zwölfter und hatte neben 3 Punkten zusätzlich noch 5 Tore Vorsprung auf Platz 16. Großspurig witzelte ich auf der Fahrt noch: “Hoffentlich wird’s ein bißchen spannend.” Vorsichtshalber hatte ich dennoch mein kleines Taschenradio dabei, beim Club weiß man ja nie. Zu diesem Zeitpunkt hatte der FCN wohl die sympathischste Mannschaft, die man sich als Clubfan denken kann: Köpke, Baumann, van Eck, Oechler, Nikl, Kuka, Ciric um die Wichtigsten zu nennen. Herrliches Sommerwetter, und eine bereits geplante Nichtabstiegsfeier mit allem Drum und Dran erwartetete uns. Die Fans sonnten sich und kümmerten sich um ihre Bierbecher, das Spiel lief nebenher. Nach 75 Minuten führten die Bochumer 2:1 gegen den Fünfzehnten Rostock, und die Frankfurter (16.) hatten noch einiges nachzulegen (2:1 gg Kaiserslautern). Günes hatte auf Seiten der Breisgauer zweimal getroffen und langsam wurden auch die Fans unruhig. Verlieren wollte man ja doch nicht und die Abstiegsangst kam nun langsam in die Köpfe zurück. Die Anzeigetafel wurde abgeschaltet, um die Spieler nicht zu verunsichern (!!!).
Die ARD-Schlusskonferenz begann und der Dreierverbund Koch/Breuckmann/Schmidt bescherte dem/r deutschen Radio bzw. Fußballgeschichte eine der größten Sternstunden. Jedem Fußballliebhaber sei folgender Mitschnitt ans Herz gelegt:
Da bekomm’ ich heute noch nasse Augen. Bei der Rückfahrt fragte ich mich ständig, wie so etwas passieren konnte. Bis heute habe ich keine Erklärung gefunden.
Vielleicht dachten die Spieler, in Frankfurt steht es weiterhin nur 2:1?!
FC Getafe – Bayern München 3:3 n.V (2008, UEFA-Cup Viertelfinale)
Schon in frühester Kindheit hatte ich eine ausgeprägte, emotionale Ablehnung gegenüber dem FC Bayern. Warum? Kann ich rational nicht erklären. Während den Jahren wurde dieser “Hass” jedoch stets geringer. Doch vor gut einem Jahr sollte dies nochmal auf die Probe gestellt werden. Und zwar bei einem der denkwürdigsten Europapokalspiele des deutschen Rekordmeisters. Die Madrider Vor“dörfler“ aus Getafe spielten den FCB an die Wand, mussten aber dennoch, wie man es von den „Dusel-Bayern“ gewohnt ist (war
), einen absolut unverdienten Last-Minute-Ausgleich hinnehmen. Dennoch schlugen die Spanier zu Beginn der Verlängerung mit einem schnellen Doppelpack zurück. Als Toni dank Getafes Keeper Abbondanzieri fünf Minuten vor dem Ende zum Anschlusstreffer kam, entschloss ich mich kurzerhand das Fernsehzimmer zu verlassen, um den sicheren Ausgleich nicht miterleben zu müssen. Als mir kurz darauf mein alter Herr mit den Worten “Das war doch ein Foul von Kahn” entgegenkam, drehte sich mein Magen siebenmal um die eigene Achse. Nach einem kleinem, nächtlichen Aprilspaziergang und drei Zigaretten war der Ärger jedoch einigermaßen verflogen und heute kann ich mit etwas mehr Gelassenheit die Bayern verfolgen. Danke Getafe, für diese (Schock-)Therapie! Zum Glück, denn trotz meiner immer noch vorherrschenden Antipathie gibt es in Deutschland keinen Verein, bei dem es mehr Spaß macht das aktuelle Geschehen zu verfolgen. Wie ja gerade wieder bewiesen wird.
Abschließend, ein Mitschnitt von Tonis Ausgleich, untermalt von spanischen Kommentatoren, die ebenfalls ein Foul vom Titan gesehen haben ![]()
Welche Spiele haben Euch am meisten geschockt?
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So nahe liegen Leid und Freude auseinander! Getafe war ein Spiel mit “Eiern”