Verfasst von gses.
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Lasst Sie spielen!
10. September 2008, Zagreb: Die englische Nationalmannschaft hat sich in Kroatien dank eines 4:1 Auswärtssieges in der WM-Qualifikation für die 2:3 Heimpleite aus dem November 2007 revanchiert, welche den „Three Lions“ damals sensationell die EM-Teilnahme kostete. Verantwortlich für die Wiedergutmachung ist insbesondere der 19-jährige Theo Walcott, der drei Tore erzielt und mit der kroatischen Abwehr Katz und Maus spielt. Doch schon vorher war Walcott in den Schlagzeilen. Der damalige englische Nationaltrainer Sven Göran Eriksson berief Walcott überraschend ins WM-Aufgebot der Engländer, ohne dass dieser jemals in der Premier League zum Einsatz gekommen war. Walcott bestritt zwar auch kein WM-Spiel, aber für seine Entwicklung dürfte diese Erfahrung äußerst wertvoll gewesen sein. Man erinnere sich nur an Ronaldo, der 1994 für Brasilien auch nur die Bank drückte, aber in den folgenden Jahren zum dominantesten Stümer der Welt werden sollte. Walcotts Talent erkannte natürlich auch Arsenal Trainer Arsene Wenger und setzte den damals erst 17-jährigen, trotz schwankender Leistungen, nach der WM regelmäßig in der Premier League ein und schenkte ihm das notwendige Vertrauen. Inzwischen ist Walcott Leistungsträger der Gunners, er erholt sich derzeit von einer Schulterverletzung.
Warum haben wir solche Spieler, die schon in sehr jungen Jahren zur Weltspitze gehören, nicht in Deutschland?

Deutsche Talente nur Trainingsweltmeister?
Das wohl größte deutsche Talent ist Toni Kroos, der bei der U17 WM 2007 in Südkorea zum besten Spieler gewählt wurde. Die Bayern rieben sich die Hände. Endlich wieder ein großes deutsches Talent in den eigenen Reihen. Doch der Durchbruch will nicht kommen. In seiner Zeit bei den Bayern kommt der Greifswalder nur selten zum Einsatz und als er im UEFA-Cup die Bayern innerhalb von 10 Minuten mit einem Tor und einer Vorlage im Belgrader Hexenkessel vor einer Niederlage bewahrt, kanzelt Hoeneß einen Reporter eiskalt ab, der sich erlaubt hatte, Kroos als Matchwinner darzustellen: „Lassen Sie den Jungen mal unten, das ist nicht gut, wenn man die so hochjubelt.“ Rückhalt sieht anders aus. Dass zudem das Trikot mit der Nummer 10 lediglich „reserviert“ wurde, machte die „Förderung“ des Talents endgültig zur Farce. Die Aussage war klar: “Du bist noch nicht gut genug, vielleicht irgendwann!“. Inzwischen muss sich Kroos an ein neues Umfeld gewöhnen. In Leverkusen soll er nun Spielpraxis erhalten, doch dieses eingespielte Team ist eigentlich zu stark, um ein Ausbildungsverein zu sein. Sehr viel Einsatzzeit wird er in dieser Mannschaft wohl nicht sehen. Es könnte durchaus sein, dass Kroos über den Status „Talent“ nie hinauskommen wird. Eine Mitschuld daran müsste man dann den Bayern in die Schuhe schieben, insbesondere Jürgen Klinsmann: Die Aufforderung an Kroos, sich nun endlich mal gegen van Bommel (der ja bekanntermaßen ein mit allen Wassern gewaschener, äußerst europapokal-erfahrener Profi ist) durchzusetzen, klingt in meinen Augen geradezu unmenschlich und ist für einen 17-jährigen einfach nicht zu schaffen. Man hätte ihm Vertrauen schenken sollen, aber das haben die Bayern nie getan.
Besonders Jogi Löw dürfte immer mal wieder drei Kreuze machen, dass die Münchner seinerzeit die (Rest-)Ausbildung von seinem Nationalspieler Phillip Lahm nach Stuttgart und Felix Magath abgegeben haben. Dort reifte der inzwischen 25-jährige zum Leistungsträger heran und gehört derzeit zu den stärksten Außenverteidigern weltweit. Auch Roque Santa Cruz ist ein berühmtes Beispiel für die Talentmisswirtschaft an der Säbener Straße. Der als 16-jähriger verpflichtete Teeniestar aus Paraguay konnte die Erwartungen nie erfüllen, was auch dem wieder viel zu „behutsamen“ Aufbau geschuldet sein dürfte und er zudem nie das Vetrauen über mehr als ein paar Spiele hinaus bekam. Kaum wechselte er nach Blackburn, wurde er mit 19 Treffern viertbester Schütze der Premier-League Saison 2007/2008. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier der Fall Podolski. Beim FC Bayern München entwickelte sich der nicht nur in Köln einst göttergleich verehrte Superstar zu einer fast schon tragischen Figur.
Dies soll kein typisches Bayern-Bashing sein. Auch in Gladbach macht derzeit Trainer-”Opa” Hans Meyer mit den Talenten Marin und Baumjohann vieles falsch, insbesondere in puncto Menschenführung. Aber der deutsche Rekordmeister hat aufgrund seiner besonderen Stellung im internationalen Fußball eigentlich die Voraussetzung, Weltklasse-Talente hervorzubringen. Diese Möglichkeiten sollten sie nicht so fahrlässig herschenken. Eigengewächse wie Hamann, Babbel und Nerlinger brachten den Münchnern in den 90ern immerhin auch den ein oder anderen Meistertitel. Es stellt sich die Frage, warum sie von diesem Weg abgekommen sind.
Der “Club” machts vor!
Mein geliebter 1. FC Nürnberg hat, wenn auch notgedrungen, mit Stefan Kießling und Andreas Wolf vor einigen Jahren gezeigt, dass sich Beharrlichkeit auszahlen kann. Zu Beginn habe ich Kießling eher als ungelenkigen Chancentod gesehen und Wolf, insbesondere wegen seiner technischen Schwächen, als Sicherheitsrisiko. Doch dank fehlender Alternativen und dadurch ständig steigender Spielpraxis konnte man in jedem Match ihre Fortschritte spüren. Kießling ist inzwischen Nationalspieler und bildet mit Patrick Helmes ein tolles Sturmduo in Leverkusen. Wolf wurde von Joachim Löw konsequent übersehen, was nicht nur bei Clubfans Unverständnis hervorrief. Da er ursprünglich in Tadschikistan geboren wurde, hatte schließlich sogar die aufstrebende russische Nationalmannschaft angefragt.
Deshalb meine Forderung: Lasst die Jungen spielen! Sie können sich sonst nicht entwickeln. Das Vertrauen sollte über eine ganze Saison gegeben werden, dann erst dann sieht manm wohin der Weg führt. Sollte sich diese Vorsicht des „ja-nicht-verheizen-wollens“ in Deutschland nicht langsam ändern, wird man auch in Zukunft zum Einen mit dem typischen Gurkenfußball des DfB-Teams Vorlieb nehmen müssen, sondern weiter neidisch in die anderen europäischen Ligen schielen, wo sich Messi, C. Ronaldo, Walcott, Fabregas und Rooney dank vieler und früher Einsatzzeiten zu Weltklassespielern entwickelt haben.
Was sagt ihr dazu?
Autor:gses
belgrad liegt in kroatien?
als bayern trainer ist es aber auch schwer, einen jungen spieler über mehrere spiele einzusetzen.
wenn dieser nicht sofort konstante leistungen bringt, wird sofort das umfeld laut. das ist beim club, der nicht jedes wochenende umbedingt gewinnen muss, vielleicht einfacher.
Gratulation zur Fehlerfindung! Wir wollten eigtl nur testen wer sich den Blog konzentriert durchliest
Ich frage mich dann aber, wieso Vereine wie Barcelona, Arsenal oder auch Real ihre Jugendspieler dennoch konsequent einsetzen auch wenn sie zum Teil (logischerweise) recht unkonstant spielen.
Weil es ganz logisch ist, denn irgendwann kommt selbst für den besten Fußballer das Karriereende und dann muss man sich eben um adäquaten Ersatz kümmern und Vereine wie Barcelona und Arsenal, die im Ausland im Allgemeinen als spielstark gelten, wollen junge Talente so schnell wie möglich integrieren, damit sie deren Spielweise verstehen und erlernen. Deswegen sind sie in jungen Jahren schon auf einem Niveau, dass manch einer nie erreichen wird.
In Deutschland ist man vielerorts anscheinend der Ansicht, dass sich die Jungspunde sich die Sporen nicht in ihrem Verein, sondern bei einem anderen Verein verdienen sollen. Da dort eventuell ein anderes System gespielt wird, scheint sie nicht weiter zu stören.
Teilweise denke ich aber auch, dass sie dem schlechten Image entgegenwirken wollen immer ausländische Spieler der eigenen Jugend vorzuziehen. Schaut man sich beispielsweise Cottbus an, findet man überwiegend slawische Namen. Dort spielen Bulgaren, Slowaken, usw. Ich denke, dass man diese Spieler durchaus durch junge deutsche Talente ersetzen kann! Gerade weil Cottbus einer der Vereine ist, die keinen guten Ruf und keinen guten Tabellenplatz zu verlieren hat. Bei anderen Vereinen geht das ja auch, Rostock hatte meiner Meinung nach schon immer eine gute Jugendarbeit. Die Kroos-Brüder, Marc Stein, Marco Rehmer, Patrick Ebert sind nur einige Namen. Fast alle von ihnen sind nun, oder waren bei Bundesligisten unter Vertrag. Kurioserweise spielen sie mit diesem Konzept, was ich nur voll unterstützen kann, nur in Liga 2 und haben alle Mühe sie zu halten. Cottbus hingegen wird vielleicht die Klasse halten… mit den Bulgaren!
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Ganz meine Meinung. Die jungen Spieler werden schon nicht so schnell übermütig. Irgendwann merken sie schon, dass sie noch nicht die Größten sind. Aber durch solche “Tiefpunkte” oder Fehler lernen sie am Besten. Das ist bei jeder Arbeit so. “Learning by doing”. Außerdem ist es besser, wenn die jungen Spieler gleich in die Mannschaft integriert werden, in der sie später auch spielen sollen. Wenn sie an eine schlechtere Mannschaft ausgeliehen werden, spielen sie dort evtl. eine ganz andere Rolle. Bei ihrer Rückkehr ist das dann durchaus problematisch, wenn sie sich wieder in ein ganz anderes System und an eine andere Hierarchie gewöhnen müssen. Lieber gleich ins kalte Wasser schmeißen und direkt von den guten Spielern lernen.