Das Wort “Fan” leitet sich aus dem englischen Wort “fanatic” ab und bezeichnet einen begeisterten Anhänger einer Gruppe, Person oder Mannschaft.
Fußballfans stehen wohl an der Spitze der Begeisterungsskala. Sie stimmen sich Stunden oder sogar Tage vor Spielbeginn auf das Match ein, ziehen singend durch die einzelnen Spielstädten und feuern ihre Mannschaft während des Spiels bedingungslos an.  Doch werden die Fans von Ihren Vereinen überhaupt unterstützt? Immerhin sind sie es die die Stimmung bringen, vor denen die gegnerischen Mannschaften zittern sollen. Ein Blick auf den FC Bayern München zeigt dass dies nicht so ist.

Auf der ganzen Welt organisieren sich Fans und bescheren uns mit ihren landestypischen Anfeuerungen die ganz spezielle Stimmung die man eben nur in einem Fußballstadion erleben kann.
Während in Südamerika Samba-Rhythmen von der Tribüne herabschallen, hat sich in Europa über Jahre hinweg das Anfeuern der Mannschaften durch individuelle Schlachtgesänge durchgesetzt.
Speziell die deutschen Anhänger haben ein äußerst ausgeprägtes Repertoire an Texten und Melodien.
Doch um ein echter Fan zu sein gehört nicht nur das Beherrschen des Liedgutes. Wenn man in den 90er Jahren in die Stadien schaute, erkannte man schnell welche Utensilien unabdingbar waren um ein echtes Mitglied einer Fankurve zu sein. Schal, Kutte, Aufnäher und Fahne waren Pflicht für jeden “Steher”.
Wenn man auf die Südkurve im altehrwürdigen Olympiastadion zurückblickt, erinnert man sich an Fans die wie eine Wand hinter Ihrem Verein standen. 90 Minuten lang wurde gesungen, die Mannschaft angefeuert. Bei Wind und Wetter fanden sich die treusten Anhänger meist schon Stunden vor dem Spiel ein, um bei ein paar Bier über die Ereignisse der abgelaufenen Woche zu diskutieren oder anstehende Auswärtsfahrten zu planen.

Doch ein Blick auf die Münchner Südkurve im Jahre 2009 verrät, dass sich speziell der Fußball, aber auch seine Fans gewandelt haben.

Als der FC Bayern in der Saison 2005/06 in die neu erbaute Allianz-Arena umzog, rechnete die gesamte Fanbasis mit einer gewaltigen Stimmungsteigerung. Die Südkurve München konnte bereits im Olympiastadion mit den meisten Kurven Deutschlands mithalten. Also schien es klar zu sein, dass die neue, enge Arena ein wahrer Hexenkessel werden würde.
Doch 4 Jahre später ist klar, dass dies aus verschiedensten Gründen nicht der Fall war. Heute befindet sich die Südkurve bestensfalls noch auf einer Stufe mit Vereinen wie Cottbus, Bielefeld etc. – wenn überhaupt!

Der FC Bayern München genoss jahrelang eine gut funktionierende Kurve, hat die meisten Fanklubs sowie Mitglieder in Deutschland. Erst durch den Umzug in die Arena merkte man, wie wenig Interesse seitens der Vereinsführung an organisierten und stimmungmachenden Fans besteht. Die “neue” Südkurve München wurde für die Hälfte der Fans aus dem Olympiastadion konzipiert. Einer Auslagerung in die ungeliebte Nordkurve konnte man nur umgehen, indem man sich in eine der vielen Support-Listen eintrug, die dem Verein überreicht wurden (die Liste der Schickeria wurde seitens des Vereins später als eine offizielle Mitgliederliste der Ultra-Vereinigung verkauft. Anhand dieser Liste wurde versucht, mehreren Jahreskarteninhabern, diese zu entziehen). Doch schon nach kürzester Zeit wurde klar, dass eine Aufteilung der supportbereiten Fans keine gute Idee war. Die Kurventeilung ist bis heute ein einschneidendes Problem. Dazu kam dass die Gästefans in die oberste Ecke des Stadions gesetzt wurden. Schalltechnisch ein massiver Vorteil. Bereits 1.000 Fans klingen hier wie 5.000. Es folgten weitere Einschränkungen von Verein und Polizei (Megaphonverbot/Mindestlänge bei Fahnen/nahezu undurchsichtige Hinter-Tornetze).
Im Laufe dieser Zeit sollte jedem Fan der mit offenen Augen und ohne rot-weiße-Brille herumläuft klar geworden sein, dass dem FC Bayern wenig an einer offenen und organisierten Kurve mit eigener Meinung liegt. Gibt es einen anderen Verein, in dem der Manager die eigenen, treusten Fans als Sozialhilfeempfänger tituliert?
Verein und Verantwortliche scheinen sich in einer selbstgebauten Seifenblase zu befinden, in der sie sich das Leben schönreden. Es ist die Rede von der besten Stimmung in Deutschland und das man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen könne in der Arena – klar, weil die Gästefans eine riesen Rabatz machen. Der Höhepunkt der Leidensfähigkeit eines jeden Fan sollte wohl erreicht gewesen sein als doch tatsächlich der Vorschlag aufgebracht wurde, eine Stimmungskapelle in der Südkurve zu installieren. An dieser Stelle muss man sich zwangsläufig die Frage stellen ob Herren beim FC Bayern schon jemals eine Fankurve von innen gesehen, sich Gedanken über die Bedürfnisse eines Stehplatz-Fans gemacht haben oder eventuell sogar mit einem geredet haben.

Allian Arena München
Das wohl gravierendste Problem ist die Ticketvergabe für Stehplätze. So mancher Bayern-Fan mag sich erinnern, welch ein überragendes Gefühl es war, das Privileg zu besitzen die Stehplatz-Kurve im Olympiastadion zu betreten. Jahrelang musste man auf eine Jahreskarte warten und sich immer wieder dafür bewerben. Tageskarten gab es keine – nur Jugendliche konnten Tagestickets in begrenzter Stückzahl erwerben.
In der Arena sind etliche Tageskarten für Stehplätze verfügbar, welche durch den hohen Belegungsgrad der Heimspiele, nicht nur von Supportern erworben werden. Hinzu kommt ein Online-System, bei dem es jedem Jahreskarteninhaber, der ein Spiel nicht besuchen möchte, möglich ist seine Karte zu verkaufen. So vermischen sich in der Südkurve hartgesottene Fans mit 0815 Stadionbesuchern, welche sich nicht selten bei Ordnern über Fahnen oder Doppelhalter beschweren oder bei internationalen Spielen, Anspruch auf Ihren Sitzplatz geltend machen. Umstände wie diese sind wohl in keiner gewachsenen Fankurve Deutschlands vorstellbar. Auch hier scheint der FC Bayern Vorreiter zu sein.

Die Schuld ist natürlich nicht nur bei dem Verein sondern auch den Fans zu suchen. Denn im Endeffekt sind es sie die singend auf den Tribünen stehen und die Mannschaft unterstützen. Diverse Grabenkämpfe innerhalb der Kurve wurden inzwischen überwunden, so dass die stimmungswilligen Fans untereinander wieder organisiert sind. Bestimmt haben Jahrzehnte des Erfolges manch einen satt werden lassen. Spiele gegen Hannover und Bochum sind nicht zu vergleichen mit Europapokalabenden gegen Real oder Chelsea.

Merklich hat sich die “Zielgruppe” der Vereine über die Jahre hinweg verändert. Nicht zuletzt seit der WM 2006 ist es schick und angesagt ein Fußballspiel zu besuchen. Gerade der neue Münchner Fußballtempel wird zum Samstag-Nachmittag Ausflugsziel. Die Vereine haben dies erkannt und setzten mit Merchandising und Unterhaltungsprogramm daran, diese zahlungskräftigen Kunden zu behalten und als ihr Stammpublikum zu etablieren.
Die gefestigte und gewachsene Bindung zu den Fans, die den Verein auch nach St. Petersburg und Tel Aviv begleiten verliert dadurch an Halt. Vereine und Verantwortliche sollten sich im Klaren sein, dass dies ein gefährlicher Kurs ist. Denn beim FC Bayern, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim mag dies im Moment aufgehen. Neue Arenen und erfolgreiche Mannschaften sorgen für genügend Trend-Faktor damit Kunden und VIP’s das Stadion füllen. Doch wenn die Flutlichttempel langsam wieder Ihren Reiz verlieren und der sportliche Erfolg ausbleibt, sind es wieder die treusten der Treuen, die Mannschaft und Verein in jedes noch so entlegene Stadion verfolgen und unterstützen. Die Vereine sind in der Pflicht, diesen Fans den nötigen Respekt zu zollen, den sie verdient haben.

Was ist eure Meinung dazu?

Jetzt sind auch die Fans begeistert. Sie singen “Oh, wie bist Du schön!” (Heribert Fassbender)

Zur Rasenschach-Hauptseite

Autor: chievo2002

RSS Artikel-Abo