Verfasst von chievo2002.
Verfasst von chievo2002.
Mein eigener Bundesligaverein
Wenn nächstes Wochenende Borussia Dortmund im heimischen Westfalenstadion gegen die TSG Hoffenheim antritt , werden die Kameras der Fernsehanstalten die berühmte Westkurve, in der die hartgesottenen Dortmunder Fans stehen, ganz genau im Auge behalten.Als die Schwarzgelben im September letzten Jahres ihr Gastspiel in Hoffenheim hatten, zeigte ein Dortmunder Fan ein Plakat, auf dem Dietmar Hopp, SAP-Gründer und Mäzen der TSG, abgebildet war. Sein Gesicht wurde von einem Fadenkreuz überdeckt und mit den Worten “Hasta la Vista Hopp!” tituliert.
Anfeindungen gegen den Milliardär sind nichts neues. Bereits in der zweiten Liga musste sich Hopp den Schmähgesängen und Hasstiraden der jeweiligen Gegner stellen. Inzwischen fährt er nur noch äußerst selten in fremde Stadion.
Woher kommt dieser Hass gegen den “Sponsor” der TSG Hoffenheim? Die Hoffenheimer haben sich in kürzester Zeit in die Elite des deutschen Fußballs gespielt. Eine Teilschuld Dietmar Hopp’s an diesem Erfolg ist nicht von der Hand zu weisen. In Stadion, Infrastruktur, Spieler und Jugendarbeit wurden in 8 Jahren 175 Millionen Euro investiert. Mit einem Spieleretat von geschätzten 40 Millionen Euro liegt die TSG “nur” 40 Millionen Euro hinter dem Branchenkrösus FC Bayern und verweist in diesem Vergleich gestandene Bundesligavereine, wie Stuttgart, Hamburg und Dortmund, auf die Plätze.

Letztenendes reduziert sich alles auf eine Frage:
Ist es gerecht, dass ein Verein sich mit Mitteln von Dritten Infrastruktur und damit Erfolg aufbaut, für die andere Vereine über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg gekämpft haben?
Das Thema wurde 2003 erstmals in Deutschland richtig publik, als fast zeitgleich Manchester United und der FC Chelsea von Malcom Glazer und Roman Abramowitsch übernommen wurden. Der Eindruck musste entstehen, dass hier reiche Industrielle traditionsreiche Vereine übernehmen und mit Ihnen Ping-Pong spielen. Bei Manchester, einem Verein der über Jahre hinweg auf europäischem Spitzenniveau spielte, regte sich sofort größter Widerstand der breiten Fanbasis. Dies ging bis hin zum Austritt einiger Fangruppen und der Gründung eines neuen Vereins. Wenn verwundert es, dass beim weniger traditionsreichen FC Chelsea das Übernahme von Abramowitsch etwas weniger kritisch betrachtet wurde.
Die bisherige Höhepunkt wurde erreicht als ein Investmentunternehmen aus dem Scheichtum Abu Dhabi die Mehrheit von Manchester City übernahm.
Von diesen Verhältnissen sind wir in Deutschland, dank der 50+1 Regel, zum Glück (noch) weit entfernt. Doch lassen die aktuellen Ereignisse in Hoffenheim und beim TSV 1860 München bei den Fans natürlich Horrorvisionen von Geldgebern, die den geliebten Verein als eine Art Spielball zu ihrem Vergnügen verwenden, aufkommen.
Doch mit diesen Zuständen kann und darf man die Einflussnahme von Dietmar Hopp nicht vergleichen. Der geborene Sinsheimer spielte selber in der Jugend der TSG und sein Ziel ist es dass der Verein ein von selbst wirtschaftendes Unternehmen ist. Hopp ist kein fanatischer Milliardär, der den Verein fallen lässt, wenn er eine neue Leidenschaft entdeckt.
Noch dazu werden in Hoffenheim keine Spieler des Kalibers Kaka, Ribery, Messi transferiert.
Die TSG steckt in einer Grauzone, die den Fans bisher noch nicht bekannt war. Es gab Vereine, die sich Ihre Tradition über Jahre hinweg erarbeitet haben und es gab die “Bösen” neureichen Clubs mit ihren finanziell mächtigen Verbündeten – beides trifft auf Hoffenheim nicht zu.
Das Hoffenheimer Modell wird sich für diesen Club rechnen. Ob sie über Jahre hinweg Erfolg an der Spitze der Bundesliga und in Europa haben werden, wird sich zeigen. Eines ist auf jeden Fall gewiss: Durch die Einflussnahme von Dietmar Hopp hat es Hoffenheim geschafft, Jahrzehnte der Tristesse in den unteren Spielklassen zu überspringen.
Der Fußball ist nicht mehr zu vergleichen mit den Zuständen, wie sie vor 15, 30 Jahren in den europäischen Top-Ligen vorzufinden waren. Der Verkauf von Rechten an Stadien und Ligen. Das Wettbieten um Fernsehrechte und die damit zusammenhängenden Anstoßzeiten. Der Transfer von Spielern zu Wahnsinssummen.
Dies alles sind Punkte, über die man sich zwar noch aufregt und kurz bei seinen Freunden anmerkt, das sie einem nicht gefallen, doch insgeheim haben wir uns alle damit abgefunden, dass sich diese Entwicklung nicht mehr aufhalten lässt. Nun gilt es sich mit der Situation zu arrangieren und niveauvoll zu diskutieren. Auf kurze Sicht werden Projekte wie Hoffenheim nicht verschwinden, sondern eher noch auf Anklang bei anderen Vereinen stoßen.
Auch der etwas verrücktere Fußballfan sollte versuchen, sich sachlich damit auseinanderzusetzten, denn Aktionen wie beim Hinspiel Dortmund gegen Hoffenheim schaden eher dem eigenen Verein und stärken die Position der vermeintlich Angegriffenen.
Wie denkt Ihr darüber?
Das Modell Hoffenheim ist für mich schon außergewöhnlich paradox. Es ist eben etwas völlig Neues mit einigen bekannten Zutaten, wie ich es mal nennen will. Vergleiche mit größeren deutschen Vereinen weisen gefühlt schon Parallelen auf. Beim genaueren Hinsehen muss man das dann differenziert sehen. Soviel zu Hoffenheim allgemein. Nun zu Hopp. Erstmal ist es eine eher unauffällige Person, die doch gerne im Rampenlicht steht, so sind sie halt im Ländle, aber er ist mir nicht unsympathisch. Ich persönlich fand z. B. den Vorfall in mit dem Dortmunder Fan nicht so tragisch, wer sich darüber alles aufregen könnte, wenn er da sein Konterfeit sieht… Das mit dem Fußballkreislauf kann ich so nicht stehen lassen, weil es einfach nicht den primären Zweck erfüllt, dass kleinere Vereine mehr bekommen.
Ich denke auch, dass zwischen den Herren Hopp und Abramowitsch Welten liegen, und noch einmal ein gleicher Abstand zwischen dem Eigner von Chelsea und der Investorengruppe aus Abu Dhabi.
Es ist in meinen Augen durchaus wünschenswert, das allen Vereinsverantwortlichen, die um den Erfolges willen immer wieder völlig verantwortungslos mit dem Geld umgehen, vor Augen geführt wird, dass es bei Neuverpflichtungen mehr darauf ankommt, dass der Trainer weiß, wen er braucht, und dieses Personal dann auch bekommt, als dass es ein strahlender Name sein muss, der unter dem neuen Arbeitsvertrag steht. Und diesen Beweis führt Hoffenheim derzeit mit großem Erfolg.
Was mir am eigentlich recht sympathischen Hoffenheimer Experiment erhebliche Sorgen bereitet, ist allerdings, dass es beinahe so aussieht, als sei, entgegen der bisher landläufigen Meinung, der Fussball doch planbar, doch vorherzusehen. Wenn dem so sein sollte, dann hätte dieser Sport eine große Menge an Faszination für viele Menschen eingebüßt.
@scorer: Wenn man so viele Sachen richtig macht, wie Hoffenheim bisher, kann man vielleicht wirklich davon sprechen dass der langfristige Erfolg planbar ist (wenn Hoffe in den nächsten 5 Jahren 3mal Meister wird, dann wissen wir es
), allerdings gehört da auch eine gehörige Portion Glück dazu.
Ich finde es absolut ok, wenn jemand, der zuviel Geld hat, dieses in seinen Lieblingsklub buttert. Jeder würde das bei seinem Hobby tun! Was in Hoffenheim passiert, ist für mich deshalb sensationell, weil dort mit viel Verstand und Weitsicht gearbeitet wird! So hat Hopp in erster Linie in einen professionellen Trainerstab und eine gut funktionierende Infrastruktur investiert und dann erst Kohle in Spieler gesteckt! Das muss man anerkennen, so ungerecht einem das als Fan eines finanziell schwächeren Vereins auch vorkommen mag. Problematisch könnte das ganze nur werden, wenn Vereine wie Hoffenheim einmal ins düstere Mittelmaß abrutschen und das allgemein positive Zuschauerecho und Interesse verlieren! Dann könnte die Bundesliga seinen großen Pluspunkt einbüßen, nämlich die hohen Zuschauerzahlen und die damit größtenteils verbundene “gute Stimmung” in den Stadien! Das wird meiner Meinung nach auch dadurch begünstigt, dass es weitaus schwerer sein dürfte, Fußballclubs mit großer Tradition und vielen Fans nach dem Hoffenheim- Prinzip zu pushen. Gerade weil Hopp nicht in erster Linie an noch mehr Profit zu denken scheint glaube ich, dass sich Hoffenheim längerfristig in der oberen Tabellenhälfte etablieren wird, denke aber auch, dass dieses Prinzip kaum auf andere Vereine übertragbar ist!
Naechster Eintrag
Kalles Kunden »

Dass der Fußballsport nicht mehr so ist wie vor 30 Jahren ist eine logische Entwicklung. Doch wenn Leute wie Hopp in Jugendarbeit und Infrastruktur investieren ist das lobenswert. Die Abramowitsch Taktik, einfach gut entwickelte Spieler Über-Wert einzukaufen, halte ich jedoch für äußerst gefährlich.
Der große Vorteil an solchen “Übernahmen” ist natürlich dass viel Geld in den Fußballkreislauf gesteckt wird, von dem kleinere Vereine auch wieder profitieren.